Das Kontorhausviertel

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    Das Kontorhausviertel ist eines der architektonisch relevantesten Viertel Hamburgs.  Im späten 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand zwischen Meßberg und Steinstraße ein ganz neues Büroviertel, das zu dieser Zeit seines Gleichen suchte. Seit Juli 2015 gehört es gemeinsam mit der historischen Speicherstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

    Ende des 19. Jahrhunderts intensivierte sich der weltweite Handel, gefördert durch die Idee des Wirtschaftsliberalismus, den Kolonialismus und begünstigt durch die Industrialisierung und technische Innovationen, die arbeitsteilige Produktion und schnellere Transportmöglichkeiten förderten. Die Entwicklungen beeinflussten nicht nur die Weltwirtschaft, sondern auch die städtische Aufteilung der großen Hafen- und Handelsstädte.

    Die Entstehung des Kontorhausviertels

    In Hamburg gab es jedoch noch drei weitere Ereignisse, die den städtischen Wandel und damit die Entstehung des Kontorhausviertels vorantrieben. Zum einen sorgte bereits 1842 der Große Brand dafür, dass die kleinteilige mitteralterliche Struktur der Altstadtgebiete, die heutige rechtwinklige Anordnung des Kontorhausviertels in Häuserblocks, ermöglichte. Weiterhin sorgte die Aufhebung der Torsperre von 1860 dafür, dass immer mehr Kaufleute ihre Bürgerhäuser in der Altstadt auf gaben und dauerhaft in die grünen Vororte zogen. Ein weiterer tragischer Grund war die Cholera-Epidemie von 1892, die 8.605 Menschen das Leben kostete.

    Nach und nach, und ebenfalls begünstigt durch den Bau der Speicherstadt in den 1880er Jahren entstand in Hamburg das erste reine Büroviertel in Europa. Die Lebensform, Wohnen, Wirtschaften und Kontor unter einem Dach zu vereinen, war damit hinfällig. Zwei funktional sich ergänzende Quartiere (Speicherstadt und Kontorhausviertel) enstanden und spiegeln noch heute eine moderne, auf den tertiären Sektor ausgerichtete Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder.

    Die prägenden architektonischen Bauten

    Definiert wird das Kontorhausviertel vor allem durch das Chilehaus, den Sprinkenhof, den Meßberghof und den Mohlenhof. Alle genannten Gebäude wurden in den 1920er, 30er und 50er Jahren erbaut und blieben weitestgehend von den Zerstörungen des 2. Weltkrieges verschont. Sie gehören zu den bedeutesten Bauten weltweit aus dieser Zeit, da sie zum einen den Backstein-Expressionismus zugeordnet werden können und zum anderen den Übergang in die später vorherrschende Neue Sachlichkeit demonstrieren.

    Das Chilehaus

    Das Chilehaus kennzeichnen vor allem der markante „Schiffsbug“ an der Ostspitze, sowie die elegant geschwungene Südseite. Fritz Höger entwarf dieses Kontorhaus zwischen 1922 und 1924 zu Ehren von Henry Brarens Sloman, der durch den Import von Chile-Salpeter reich wurde. An der Gebäudespitze findet sich auch ein Andenkondor, das Wappentier Chiles. Weiterhin zählt das Chilehaus mit zehn Stockwerken zu den ersten Hochhäusern Deutschlands.

    Der Sprinkenhof

    In der Zeit von 1927 bis 1943 entstand der Sprinkenhof in drei Bauabschnitten. Entworfen wurde er nach den Plänen von Fritz Höger sowie Hans und Oskar Gerson. Der Stahlbetonskelettbau umschließt drei Innenhöfe und ist aufwendig mit Klinkern im Zierverband, Vergoldungen und Terrakotta dekoriert. Die Fassade gegenüber des Chilehauses ist mit Rauten und Reliefmedaillons überzogen, die hamburgische Motive wie das Stadt-Wappen zeigen, aber auch Zahnräder und Segelschiffe, die auf die im Sprinkenhof ansässigen Niederlassungen hinweisen.

    Der Meßberghof oder Ballinhaus

    Dieses Haus entstand zeitgleich mit dem Chilehaus und war somit eines der ersten Kontorhäuser Hamburgs. Den Namen Ballinhaus bekam es durch den bekannten Reeder Albert Ballin. 1938 wurde es durch das Nazi-Regime jedoch in Meßberghof umbenannt. Der Meßberghof ist ebenfalls zehngeschossig und steht in direkter Sichtweite der Speicherstadt auf der innerstädtischen Seite des Zollkanals. Im Gegensatz zum Chilehaus besticht der Meßberghof durch seine ruhige, bewusst flächig gehaltene Fassade. Die Eingangshalle beeindruckend jedoch durch das Treppenhaus mit rundem Treppenauge, den Fußboden mit hellpolierten Sandsteinplatten und den mit Travertin oder farbig verkleideten Fliesen.

    Der Mohlenhof

    Innerhalb eines Jahres wurde der Mohlenhof nach den Plänen von Rudolf Klophaus, August Schoch und Erich zu Putlitz errichtet. Der Bau präsentiert am meisten den Übergang vom expressionistischen Baustil zu der Neuen Sachlichkeit. Der Betonskelettbau hat eine glatte Klinkerfassade mit einfach geschnittenen Fenstern. Vor dem Haupteingang am Burchardplatz steht eine überlebensgroße Skulptur von Richard Kuöhl. Sie stellt Merkur dar, die eine Kogge auf der Schulter trägt und eine Hammonia in Form einer weiblichen Figur in der Hand hält, die Hamburg personifiziert. Flankiert wird sie auf beiden Seiten von 5 Reliefs, die die fünf Kontinente symbolisieren.

    Mehr Informationen bei der Interessengemeinschaft Kontorhausviertel e.V unter www.kontorhausviertel.com

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    Kontorhausviertel Das Kontorhausviertel ist eines der architektonisch relevantesten Viertel Hamburgs. Im späten 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand zwischen Meßberg und Steinstraße ein ganz neues Büroviertel, das zu dieser Zeit seines Gleichen suchte.
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