Anti-Schlagerrevue

Foto: Thorsten Jander

Witzige Anti-Schlagerrevue im Schmidt Theater mit Wolfgang Trepper und Mary Roos

Für eine humorvolle und dennoch geistreiche Theaternacht zum Thema Schlager ist das Schmidt Theater der perfekte Ort. Mit seiner Beleuchtung in Rotlicht gleicht es sich optisch an die Partyschuppen auf der nahen Reeperbahn an, in denen oft lautstark eingängige Lieder à la "Zehn nackte Friseusen" gegrölt werden. Und doch kommen Schlager hier ganz anders daher.

Der Kabarettist Wolfgang Trepper wurde durch seine Auftritte im Schmidt berühmt. An dem Wortkünstler aus dem Ruhrgebiet schätzen Fans vor allem seine Fähigkeit so richtig unterhaltsam loszuschimpfen - und er ist bekannt dafür, ein leidenschaftlicher Schlagerhasser zu sein. 

In seiner neuen Show „Nutten Koks und frische Erdbeeren“ ist der deutsche Schlager tatsächlich das Ziel seiner Attacke. Mary Roos, eine Grand Dame des Genres, ist sich dabei nicht zu schade, mit ihm auf der Bühne zu stehen. Trepper lästert, sie singt ihre Lieder. Und lässt sich von seinen Hasstiraden nicht aus der Fassung bringen. Im Gegenteil: Die 66-Jährige strahlt wie ein echter Star und zeigt einen wunderbar sympathischen Sinn für Selbstironie.

Schlagerstars spuken über die Bühne

Der Kontrast zwischen altem Grantler und charmanter Schlagerdiva sorgt für Spannung. Trepper lässt mit prägnanten und bitterbösen Schilderungen Protagonisten des Genres wie Andrea Berg, Wolfgang Petry, Dieter Bohlen, Dieter Thomas Heck, Cindy und Bert und viele andere aufleben. So lebendig, dass man das Gefühl hat, sie tanzten und spukten über die Bühne. Er gibt dabei einen interessanten Rückblick auf ein Stück Kulturgeschichte, verbindet das Phänomen Schlager mit vielem anderen bemerkenswerten und bekanntem Kuriosiäten der 60er, 70er, 80er und 90er Jahren.

Mary Roos erzählt dazu Insider-Anekdoten aus ihrer eigenen Karriere. Zum Beispiel davon, wieviel bei der ZDF-Hitparade tatsächlich gesoffen wurde und wie Dieter Bohlen sie am Heiligabend vom Putenbraten weg ins Studio bestellte.

Das alles ist sehr unterhaltsam und stellenweise zum Brüllen komisch. Für Schlagerhasser, Schlagerfans und auch für Leute, die dem Ganzen eher neutral gegenüberstehen.

(Das Motto des Abends stammt übrigens von Heino, der bei Vertragsschluss vor einem Auftritt immer „Nutten, Koks und frische Erdbeeren fordert.“ Nur ein Spaß und irgendwie typisch für die verrückte, überdrehte Schlagerwelt.)


Zu sehen ist das Stück noch bis zum 18. August. Mehr Infos gibt es hier: www.tivoli.de

 

 

Katharina (Kulturredaktion)

Autor des Artikels: Katharina (Kulturredaktion)

Katharina (30), arbeitet als freie Journalistin in Hamburg. Sie liebt es, in die Vielfalt des Hamburger Kulturlebens einzutauchen und in den Kontrasten zu baden. Sie betrachtet die Welt vorzugsweise durch eine poetische Brille und hat eine Schwäche für gut erzählte Geschichten, melancholische Musik und alles Romantische.

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