Aus dem Leben eines Kobereres

Foto: Oliver Fantitsch

Den Kiez entdecken mit Torsten Hammann im Schmidtchen

Torsten Hammann hat in seinem Leben bereits viele Rollen gespielt. Unter anderem kennt man den großen, kräftigen Mann mit dem spärlich behaarten Charakterkopf aus dem Fernsehen, wo er bei „Tatort“, „Wilsberg“ und dem „Großstadtrevier“ mitmischte. Im Hamburger Schmidt Theater ist er bereits seit 18 Jahren regelmäßig auf der Bühne zu sehen, zuletzt im „Räuber Hotzenplotz“ und in „Der kleine Störtebeker“. So ist es äußerst passend, dass sich sein Soloprogramm „Komma rein hier!“  im Schmidtchen (Der kleinen Bühne, die zum Schmidt Theater gehört) ganz um den Kiez dreht.

Hauptfigur der Geschichte, auf die alle Erzählstränge zurückführen, ist ein Mann namens Oliver, ein grobschlächtiger, nicht allzu heller Typ mit weichem Herz und schlimmen Charakterfehlern, von denen eine Schwärmerei für Andrea Berg noch der harmloseste ist. „Wenn euch die Gurken jucken, kommt rein hier, Mädels gucken!“ krakeelt Torsten Hammann als dieser mit breitem Grinsen vor der Table-Dance-Bar „Stars & Strips“. Er schiebt das Becken vor, markiert den Macker. In seinem Ohr blitzt ein Brilli.

Und die Zuschauer werden auch gleich herein geholt in „Komma rein hier!“. In die Seitengassen, die stillen Orte auf dem Kiez, dorthin, wo man sich die besten Geschichten erzählt. Einfach, indem Hammann im Folgenden sämtliche Protagonisten der geilen Meile aufleben lässt. Er spielt sie alle überzeugend und mit viel Witz. Den brutalen Clubbesitzer Igor, die 42-jährige Barfrau Ulla, mit der Oliver vor Jahren liiert war, den südamerikanische Clubbetreiber Senor Cojones, eine asiatische Tänzerin, von allen nur „36“ genannt, einen Opa, einen Rechtsanwalt, einen schwulen Friseur, Olivia Jones, den berüchtigten St. Pauli-Frauenmörder Fritz Honka und zuletzt sogar Andrea Berg, deren Hits aus manchen Lokalen bis zum Morgengrauen dröhnen.

So zeichnet Hammann unter Regie von Carolin Spieß ein unterhaltsames Mileu-Bild, das wiedergibt, wofür viele den Kiez lieben: Eine schrille Welt voller garstiger Widersprüche und schillernder Illusionen, in der man rund um die Uhr mit Geschichten versorgt wird.

Die nächsten und in diesem Jahr letzten Vorführungen:  21. bis 24. Oktober im Schmidtchen

Katharina (Kulturredaktion)

Autor des Artikels: Katharina (Kulturredaktion)

Katharina (30), arbeitet als freie Journalistin in Hamburg. Sie liebt es, in die Vielfalt des Hamburger Kulturlebens einzutauchen und in den Kontrasten zu baden. Sie betrachtet die Welt vorzugsweise durch eine poetische Brille und hat eine Schwäche für gut erzählte Geschichten, melancholische Musik und alles Romantische.

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