Gefangen im Spa

Foto: Bo Lahola

Probleme gereifter Frauen: Sibylle Bergs "Die Damen warten" in den Hamburger Kammerspielen

Warten ist das  traurigste und langweiligste unter allen aktiven Verben, verharrt man dabei doch in einem Zustand völliger Passivität. Im Stück „Die Damen warten“ von Sibylle Berg in den Hamburger Kammerspielen ist warten die Hauptbeschäftigung von vier Frauen ab 40. Frau Grau (Nina Petri) wartet auf ihre Beförderung und ihre Anerkennung als Wissenschaftlerin. Frau Töss (Julia Jäger) wartet darauf, dass ihr Geliebter Heinz seine Frau verlässt. Frau-Merz Dulschmann (Marion Martienzen) wartet, dass ihr Mann – er heißt ebenfalls Heinz - aufhört, sie zu betrügen. Die alleinerziehende Frau Luhmann (Hildegard Schroedter) wartet wütend auf Wertschätzung. In einem Spa treffen sie alle aufeinander. Sie teilen sich einen Horst (Kai Hufnagel), von der Regierung extra für ihre Problemzonen eingesetzt. Horst ist gnadenlos in Sachen Wellness, keine der Frauen darf das Spa vor seinem Einverständnis wieder verlassen. Dabei ist er es, der in der Falle sitzt. Als einziger Mann, umgeben von vier zeternden, jammernden, schimpfenden Weibern.
Mit gewohnt spitzer Feder spielt Sibylle Berg in ihrem Stück mit Klischees. Sie splittet die Durchschnittsfrau Mitte 40 mit ihren Bedürfnissen, Hoffnungen und Träumen in vier einzelne Personen auf. Dass diese zusammengenommen nicht gerade gut harmonieren, erstaunt nicht. Wo die grünen Masken leuchten, Alufolie im Haar schimmert und der Hornhautraspel surrt, gibt es am Ende eine gewaltige Explosion. Leider erscheint der Weg dorthin streckenweise sehr vorprogrammiert, die Reaktionen Frau und Frau, Frau und Mann sind nach starren Formeln gemixt. Trotzdem: Das öde Warten findet ein Ende. Es passiert etwas. Das ist gut, unterhaltsam und auch ein wenig beunruhigend.

Das Stück ist morgen wieder in den Hamburger Kammerspielen zu sehen.

Katharina (Kulturredaktion)

Autor des Artikels: Katharina (Kulturredaktion)

Katharina (30), arbeitet als freie Journalistin in Hamburg. Sie liebt es, in die Vielfalt des Hamburger Kulturlebens einzutauchen und in den Kontrasten zu baden. Sie betrachtet die Welt vorzugsweise durch eine poetische Brille und hat eine Schwäche für gut erzählte Geschichten, melancholische Musik und alles Romantische.

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