Ich zeichne, also bin ich

Dem eigenwilligen Hamburger Künstler wird mit der Ausstellung „Der Horst Janssen Archipel“ im Altonaer Museum ein Denkmal gesetzt.

„Es ist die Ausstellung von Papieren, in denen ein manischer Meister seines Faches einen großen – wenn nicht den wesentlichen – Teil seines Lebens hineingedrückt hat.“ Mit diesen Worten beschrieb der Künstler bei einer Ausstellung sein eigenes Schaffen. Der in Wandsbek geborene Maler und Grafiker Horst Janssen (1929 - 1995) ist besessen von seiner Kunst, aber auch von sich selbst. Mit einem gleichermaßen grotesken und sympathischen Hang zum Größenwahn fertigt er in den ungefähr 50 Jahren seines Schaffens eine immense Fülle an Radierungen, Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden, in denen er oft selbst der Mittelpunkt ist. Auch als der Trend zum Abstrakten die Kunst bewegt, bleibt er seinem figürlichen Stil treu. Gleichzeitig ist er getrieben von der Perfektionierung seiner Techniken und dem Erlernen neuer Fertigkeiten. Nachdem er zum Beispiel eine Werkgruppe Radierungen fertig gestellt hat, wechselt er zum Aquarell oder zur Zeichnung. Er ist immer in Bewegung, umtriebig. Er fordert sich selbst bis zum Extrem und sieht sein Ich ganz in der eigenen Kunst. Unangepasst und andere vor den Kopf stoßend – ein Enfant terrible, das schnell eine begeisterte und gut betuchte Jüngerschaft um sich versammelte. Er war ein Ausnahmetalent und wusste das selber schon sehr früh. „Zeichne dich selbst, dann zeichnet dich Gott“ betitelte er ein 1984 entstandenes Selbstporträt.

Großer Geist, große Kunst

Im Altonaer Museum wird sein enormer Schaffensdrang deutlich. „Der Host-Janssen-Archipel“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Vielseitigkeit, sein überragendes Genie und seinen Charakter erfahrbar zu machen. Ein Archipel ist eine Inselgruppe – hier verweist das sprachliche Bild auf die verschiedenen Aspekte von Janssens Kunst. Mir drängt sich ein weiteres Bild aus dem Maritimen auf. In den Ausstellungsräumen fühlt man sich wie auf einem voll beladenen Schiff, das in ständiger Bewegung ist. Extremer Wellengang und höchste Gefahr lassen das Leben und den Tod gleichermaßen spüren. Obwohl er vor allem in Hamburg lebte, spielen das Meer und der Hafen jedoch kaum eine Rolle in seinen Motiven. Was ihn vor allem interessiert, sind die Menschen. Aber auch der Tod ist ein häufiger Begleiter auf seinen Selbstporträts.

Die Videos, die in den Räumen zu sehen, zeigen auch die andere Seite des Künstlers. Der lebensbejahende Genussmensch, der grinst, lamentiert oder Befehle gibt. Er hat eine unglaubliche Präsenz, was nicht nur an seinem massigen Körper liegt. Die Kunst wohnt in allen Bereichen seines Lebens. Rechnungen, Briefe, Kommentare – die hier zu sehenden Exponate zeugen von dem künstlerischen Ausdruck, der auch die ungewöhnlich gewöhnlichen Dinge durchdringt.

Unbedingt anschauen. „Der Horst Janssen Archipel“ noch bis zum 3. Juli im Altonaer Museum.

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Pauline (Kulturredaktion)

Autor des Artikels: Pauline (Kulturredaktion)

Pauline (29) heißt im echten Leben Katharina Scheuermann und ist vor zwei Jahren aus der fränkischen Provinz nach Hamburg gezogen. Sie arbeitet als Texterin und pflegt ein eigenes kleines Modelabel. Pauline mag klassische Musik, modernes Theater, trauriges Kino, abgedrehten Humor und die kleinen Haubentaucher in der Alster. Als rasende Reporterin ist sie immer auf der Suche nach neuen Formen von Kunst und Kultur.

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