Laute Lacher, leichte Kost

Foto: Baraniak

Im Altonaer Theater wird „Garp und wie er die Welt sah“ zu einer netten Abendunterhaltung.

John Irving versteht es meisterlich, komplexe Figuren zwischen Groteske, Tiefgang, Melancholie und Witz zu zeichnen. Von den absonderlichen Zufällen, die diesen Personen passieren, leben seine Romane, so auch sein viertes Werk – der Bestseller „Garp und wie er die Welt sah“ von 1978. Geboren von einer eigensinnigen unabhängigen Mutter, aus deren Schatten zu treten ihm kaum gelingt, ist T. S. Garp ein Junge, der sehr früh die Entscheidung fällt, Schriftsteller zu werden. Um ein Mädchen – und seine zukünftige Frau zu beeindrucken – wohlgemerkt. Garp wird neben seiner ambitionierten Frau und im Dunstkreis seiner feministischen Mutter zu einem weichen, unzufriedenen Riesenbaby, das sich in Sorge um seine eigenen Kinder selber beinahe vergisst und zwischen Herd und Putzeimer seiner schriftstellerischen Tätigkeit nachgeht. Die Enge New Hampshires, der für die Irving‘sche Literatur so typische Ringerclub, ein literarisch fruchtbarer Aufenthalt im europäischen Wien und die feministische Anhängerschaft der Mutter: der Roman und seinen Stationen sind vielschichtig. Er thematisiert den Feminismus und Abweichungen von heteronormativen Verhaltensweisen auf ganz ungezwungene Weise und hat dabei immer die Entwicklung seiner Protagonisten im Blick.

Feminismus, Frivolität und die Beatles

In Altona wird in zweieinhalb Stunden das gesamte Leben Garps auf die Bühne gebracht. Das einfach gehaltene Bühnenbild wird von der Ausstattung einer Turnhalle geprägt. Ein Kasten und ein großer Stapel Matten stehen in der Mitte: das Ringerthema gerät dadurch nicht in Vergessenheit. Das Hamburger Kulturhaus ist darauf spezialisiert, „Bücher zu spielen“ und geht mit klassischen Montagetechniken an das Stück ran. In der Bühnenadaptation von Axel Schneider geben erzählerische Episoden zwischen den Dialogen dem Geschehen etwas Tempo oder bringen dem Zuschauer durch ihre Wortgewalt einzelne Momente besonders nah. Um die emotionale Darbietung zu untermauern, gibt Michael Bogdanov seiner Inszenierung einen prominenten Soundtrack, der gleichzeitig auch Zeitzeugnis ist, an die Hand. Lieder von John Lennon, den Beatles, den Rolling Stones und Bob Marley erklingen.
Auch wenn sich die Handlung wie eine Komödie annimmt, zum Schluss sind die wichtigsten Personen tot. In Irving‘scher Manier bleiben aber auch die tragischsten Schicksalsschläge in einen Teppich aus Distanz schaffender Groteske gehüllt. Begleitet von einer Inszenierung, die schwerpunktmäßig die zu Verwicklungen führenden Begegnungen zwischen Mann und Frau herauspickt, bleibt die Stimmung stets heiter.

So auch im Publikum: Bei der Premiere werden die überzeichneten Charaktere und ihr teils obszönes Verhalten verlässlich mit großem Gelächter quittiert. Wer sich von dem Abend zwei unterhaltsame Stunden erhofft, kommt ganz sicher auf seine Kosten. „Garp und wie er die Welt sah“ mit u. a. Benjamin-Lew Klon, Isabell Fischer und Antje Ottersen ist noch bis zum 18. Oktober am Altonaer Theater zu sehen.

Pauline (Kulturredaktion)

Autor des Artikels: Pauline (Kulturredaktion)

Pauline (29) heißt im echten Leben Katharina Scheuermann und ist vor zwei Jahren aus der fränkischen Provinz nach Hamburg gezogen. Sie arbeitet als Texterin und pflegt ein eigenes kleines Modelabel. Pauline mag klassische Musik, modernes Theater, trauriges Kino, abgedrehten Humor und die kleinen Haubentaucher in der Alster. Als rasende Reporterin ist sie immer auf der Suche nach neuen Formen von Kunst und Kultur.

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