Mode, Märchen, Möwen - die Fotografin Sarah Moon

Foto: Sarah Moon

Deichtorhallen/Haus der Photographie: „I watch out for what I didn’t expect, I wait to see what I can’t remember” – in den Bildern der französischen Fotografin und Filmemacherin Sarah Moon sind die Motive nebulös geheimnisvoll und von einer zeitlosen Ästhetik.

„Now And Then“ ist der bedeutungsvolle Titel der Ausstellung im Haus der Photographie. Die Künstlerin wählte ihn, da er durch das kleine Wörtchen „then“ gleichzeitig auf die Vergangenheit und die Zukunft verweist – sie distanziert sich von dem Wort „Retrospektive“, denn sie sei ja noch nicht tot. In der ca. 300 Bilder und sieben Filme umfassenden Schau betritt man den Schwarz-Weiß-Kosmos einer der bedeutendsten Fotografinnen unserer Zeit. Sarah Moon machte sich zunächst als Modefotografin einen Namen. In den 60er Jahren arbeitete sie selber als Mannequin in Paris, wodurch sie ihr Interesse an Posen und Gesten der Models entwickelte, die sich nicht in der perfekt einstudierten glatten Choreografie des Laufstegs bewegen. Unschärfe, verschwommene Ansichten und die bewusste Verwendung von Fotografien mit Makeln und kleinen Kratzer – die eindringlichen Bilder verfolgen keine Hochglanz-Perfektion, nicht selten verwendet sie eine Polaroidkamera.

Eine Frau und ein Kleid

Ihre atmosphärisch erzählende Bildersprache machte sie schnell zu einer begehrten Fotografin in der Modeszene. Sie fotografierte und filmte für Cacharell, Chanel, Comme des Garçons, Dior und viele weitere bekannte Modehäuser und Zeitschriften. Mit der Zeit wurden ihre Bilder märchenhafter und geheimnisvoller. Dass sie sich für jedes Bild beinahe unendlich viel Zeit nimmt, sieht man ihnen an. Wenn sie die Kamera auf ihr Modell hält wartet sie manchmal Ewigkeiten auf den perfekten Moment, in dem etwas Unvorhergesehenes passiert, das das Bild zu einem besonderen Abbild der Gegenwart macht. Besonders japanische Designer wie Yohjo Yamamoto und Issey Miyake faszinieren sie. Ihre außergewöhnlichen Formen und das Brechen mit modeästhetischen Standards sind für Fotografien besonders interessant. Schließlich hat man bei einem Modebild nur eine Frau und ein Kleid, wie die Künstlerin in einem Interview mit Zeit Online 2011 offenbarte. Dabei sind ihre Frauengestalten nicht im klassischen Sinne sexy, vielmehr drücken sie eine verborgene selbstbewusste – teilweise auch abgründige, verstörende – Form von Weiblichkeit aus.

Bewegte Bilder

Die Ausstellung legt außerdem einen besonderen Fokus auf ihr filmisches Werk, das Dokumentationen, Werbe- und Spielfilme umfasst. Ihre Interpretationen von Rotkäppchen, Blaubart oder dem Mädchen mit den Schwefelhölzern lösen sich von den eindeutigen Märchengeschichten und sprechen die teils morbide-düstere Moon’sche Sprache.

Now And Then“ ist noch bis zum 21. Februar 2016 im Haus der Photographie zu sehen. 

Pauline (Kulturredaktion)

Autor des Artikels: Pauline (Kulturredaktion)

Pauline (29) heißt im echten Leben Katharina Scheuermann und ist vor zwei Jahren aus der fränkischen Provinz nach Hamburg gezogen. Sie arbeitet als Texterin und pflegt ein eigenes kleines Modelabel. Pauline mag klassische Musik, modernes Theater, trauriges Kino, abgedrehten Humor und die kleinen Haubentaucher in der Alster. Als rasende Reporterin ist sie immer auf der Suche nach neuen Formen von Kunst und Kultur.

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