Schiffe hinter Vitrinen

Museumsexpedition: Das Altonaer Museum

Stolze 150 Jahre ist das Altonaer Museum geworden. Wie bereits um die Jahrhundertwende kommt der Besucher den Ausstellungswelten sehr nahe, norddeutsches Kulturgut wird nicht verkopft, sondern anschaulich und lebensnah präsentiert.
Das beginnt gleich im Erdgeschoss, in dem ich durch eine Sammlung von Modellbauschiffen schlendere. Ich kenne mich weder mit Schiffen, noch mit der Fischerei aus, erfreue mich aber am Detailreichtum der Objekte hinter ihren Vitrinen, die allerhöchstens einen Karpfenteich überqueren könnten.
Die raue See tatsächlich überlebt haben hingegen eine Reihe kunstvoll geschnitzter Galionsfiguren, die in einem großen Saal, in dem gelegentlich auch politische Versammlungen abgehalten werden, an der Wand prangen: Seltsame Wesen, halb Mann, halb Frau, griechische Götter, Kriegsherren, Fischwesen. Sie haben etwas Trauriges an sich, wirken gestrandet, wie Gespenster, so abgeschnitten von dem Schiff, das schon längst nicht mehr existiert.
Auch im ersten Stock geht es maritim weiter. Altonas Geschichte und die Bedeutung, die die Elbe für den Stadtteil hatte, wird erzählt. Anhand moderner Fotos und vieler Gemälde, die über hundert Jahre zurückführen. Man sieht die Landungsbrücken, die Industrieseite des Hamburger Hafens und Blankenese mit seinem an Sonnentagen fast südländischen Flair, in altgewohnter Atmosphäre und doch in vielen Details ganz anders.

Viel Spaß macht die Erkundungstour im nächsten Raum, mit allerhand überraschendem Kram, die durch die Schifffahrt von Übersee nach Hamburg kam: Krokotaschen, in Gläsern lagernden blinden Passagieren wie Bananenvipern oder Vogelspinnen und einer Jukebox nur mit Seemannsliedern von Hans Albers bis Udo Lindenberg, die man ganz nach Geschmack selbst zum Klingen bringen lassen kann.
Um das Leben an Land drehen sich dann die weiteren Ausstellungen.

Ich betrete alte Bauernstuben aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Einige schlichter, andere sehr aufwändig und kostspielig dekoriert. Ich staune über die winzigen Schlafnischen und die Dunkelheit der Räume.

Außerdem werfe ich innerhalb der Ausstellung „Optische Wunderkammern“ Blicke in kleine fantastische Welten rund um die Laterna Magica, bringe selbst Figuren eines Papiertheaters in Bewegung und besichtige die Lauenburger Raths-Apotheke, die 1736 gegründet wurde.

Die Zeit vergeht wie im Flug und schon ist es kurz vor 17 Uhr und das Museum schließt. Es gäbe noch viel zu besichtigen im Altonaer Museum. Ich komme bestimmt wieder.

Katharina (Kulturredaktion)

Autor des Artikels: Katharina (Kulturredaktion)

Katharina (30), arbeitet als freie Journalistin in Hamburg. Sie liebt es, in die Vielfalt des Hamburger Kulturlebens einzutauchen und in den Kontrasten zu baden. Sie betrachtet die Welt vorzugsweise durch eine poetische Brille und hat eine Schwäche für gut erzählte Geschichten, melancholische Musik und alles Romantische.

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