Theatergäste aus ganz Deutschland

Foto: Barbara Braun

Das Festival "Privattheatertage" feiert noch bis zum 3. Juli die Kunstfertigkeit kleiner Bühnen aus ganz Deutschland.

Bei der Eröffnung der 5. Privattheatertage im Altonaer Theater kommt Gerhard Hess, Intendant und Regisseur aus Hamburg, ins Schwärmen. Hess ist Mitglied einer neunköpfigen Jury, die über 100.000 Kilometer durch ganz Deutschland gereist ist, um sich überall im Land Stücke anzusehen und die besten für das Festival mit nach Hamburg zu bringen.

Eines davon ist das Theater Lindenhof aus Melchingen: „Bei Minusgraden haben wir auf der Schwäbischen Alm in einer Scheune Spätzle mit Linsen gegessen und dabei die Vorstellung gesehen, das hat mir Glücksmomente beschert“ schwärmt er.

Wie passend, dass ausgerechnet das Stück „Hans im Glück“ aus diesem kleinen Theater, das auch für Gäste aus Stuttgart und Freiburg ein Hotspot ist, das erste ist, das in diesem Jahr gezeigt wird. Geschrieben wurde es von dem erst 21-jährigen Bertold Brecht. Dieser änderte das Märchen der Brüder Grimm in eine bitterböse Parabel über die Raffgier des Menschen um. Der Viehbauer Hans verliert darin seinen ganzen Besitz, weil seine Mitmenschen seine Gutmütigkeit ausnutzen. Es ist eine ordentliche Leistung, die das kleine Theater auf der Hamburger Bühne zeigt. Gut aufeinander eingespielte Darsteller bringen die Zuschauer zum Nachdenken und verzaubern zugleich. Der gnadenlosen Leistungsgesellschaft setzt Hans seine eigene Welt entgegen, was auch durch das Bühnenbild gekennzeichnet wird. Die Figuren verlieren sich teilweise in Schwarzweißprojektionen auf einer Leinwand im hinteren Bereich der Bühne. Hans agiert vor diesen Bildern, als sei er der Protagonist in seinem eigenen Film.

Das Fazit des Abends: Auch kleine Theater können gute Geschichten erzählen. Eben dies zu zeigen ist das Anliegen des Festivals. Man darf also auf die kommenden Inszenierungen gespannt sein, die aus Braunschweig, Köln, Berlin, Bonn, Stuttgart, Münster, Singen, Tübingen und Hamburg kommen.

Ein kleiner Ausblick:

Heute, 22.6. – Im Ernst Deutsch Theater wird das Stück „Supergute Tage“ gezeigt, eine Inszenierung des Jungen Theaters Bonn nach dem Roman von Mark Haddon. Es führt in die Innenwelt eines Asperger-Autisten. Dem Protagonisten erscheint die ganz normale Welt plötzlich fremd. Und der Zuschauer hat die Möglichkeit, Vertrautes mit neuem Blick zu sehen.

24. 6. – „Trennung für Feiglinge“ heißt das Stück, das die Komödie am Altstadtmarkt aus Braunschweig mitgebracht hat. Laut Jury soll es sehr witzig und unterhaltsam sein, wie Paul vergeblich versucht, seine Freundin Sophie loszuwerden. Gezeigt wird das Stück im Ohnsorg-Theater direkt am Hauptbahnhof.

30. 6. – In den Hamburger Kammerspielen ist die Berliner Komödie am Kurfürstendamm aus Berlin zu Gast. Das Stück „Lieber schön“ aus der Feder von Neil Labute ist eine bissig-komische Geschichte rund um den Schönheitswahn. Und erzählt zugleich eine sehnsuchtsvolle Liebesgeschichte.

1.7. – Auch in Hamburg gibt es viele Privattheater. Eines davon, das Ohnsorg-Theater, zeigt das Stück „Soul kitchen“ nach dem Film-Hit von Fatih Akin und Adam Bousdoukos. Ein typisches Hamburg-Stück um ein wildes Restaurant an der Elbe, das passenderweise auch noch in Plattdeutsch aufgeführt wird.

Mehr Infos gibt es unter: privattheatertage.de

Katharina (Kulturredaktion)

Autor des Artikels: Katharina (Kulturredaktion)

Katharina (30), arbeitet als freie Journalistin in Hamburg. Sie liebt es, in die Vielfalt des Hamburger Kulturlebens einzutauchen und in den Kontrasten zu baden. Sie betrachtet die Welt vorzugsweise durch eine poetische Brille und hat eine Schwäche für gut erzählte Geschichten, melancholische Musik und alles Romantische.

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