Von den afrikanischen Laufstegen

Foto: Alfred Weidinger

Was ist eigentlich schön? Das Museum für Völkerkunde beschäftigt sich mit verschiedenen Arten von Körperästhetik in den Ländern Afrikas.

Den kolonialen Blick ablegen, dies ist sicherlich eines der Hauptziele der Ausstellung „Africa’s Top Models“. Wir haben bestimmte Erwartungen und Vorstellungen von den Menschen, die auf dem afrikanischen Kontinent leben. Häufig halten wir die einzelnen Länder kaum auseinander. Dabei sind die Traditionen – auch auf die Schönheit bezogen – teilweise sehr unterschiedlich. Die kleine aber feine Ausstellung beleuchtet sowohl Mode, Kulte, Masken, Körperschmuck, Kosmetik und die innere Schönheit. Dabei kann man bemerken, dass viele der Vorstellungen mit gängigen Schönheitsidealen in Europa übereinstimmen. Makellose Haut, ein symmetrisches Gesicht, eine aufwendige Frisur und eine hohe Stirn sind nur einige dieser Konzepte.

Zu bestaunen gibt es zum Beispiel traditionelle Gewänder aus feinen Stoffen, die im Gegensatz zu der gängigen Importware in Europa geradezu leuchten. Große Fotos zeigen daneben die „Sapeurs“ aus dem Kongo. Sie kleiden sich extravagant und mischen traditionelle Stile mit einer Prise Pariser Chic und einem eigenwilligen modischen Selbstbewusstsein. Bei dem westafrikanischen Volk der Mende – so erfährt man – gibt es den weisen Spruch „Nichts mit einer Vagina kann man hässlich nennen“.

Ein Kopf voller Vorurteile

Doch was prägt unseren Blick und unsere Gedanken, wenn wir Skulpturen sehen, die einen hervorstehenden Bauchnabel und einen Lippenteller haben oder wenn eine Frau mit breiten Hüften als Ideal gezeigt wird. Die Konzepte der „edlen Wilden“, der „Hilfsbedürftigen“ oder der „erotischen Wilden“ scheinen noch nicht überwunden zu sein. Einige dieser klischeehaften Bedeutungszuweisungen sind auch momentan wieder sehr aktuell. Überlegen wir uns mal, wie sich unser Blickwinkel ändert, wenn wir überfüllte Schlauchboote sehen, die an die Küsten in Europa gespült werden. Ach ja, und dann gab es ja auch Figuren wie den Sarrotti-Mohr, der mittlerweilse ein Magier ist…

Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar

Aber es werden auch Traditionen gezeigt, in denen der "Schönheitsterrorismus" keine Chance hat, weil nämlich das Konzept der inneren Schönheit dominiert und dazu eben ein guter Charakter und ein offenes Herz gehören. Die Ausstellung bietet einige Anreize, um unser Denken über Schönheit mal wieder ordentlich unter die Lupe zu nehmen. Vielleicht können wir innerlich auch noch etwas schöner werden.

Africa’s Top Models, bis zum 6. November 2016

Pauline (Kulturredaktion)

Autor des Artikels: Pauline (Kulturredaktion)

Pauline (29) heißt im echten Leben Katharina Scheuermann und ist vor zwei Jahren aus der fränkischen Provinz nach Hamburg gezogen. Sie arbeitet als Texterin und pflegt ein eigenes kleines Modelabel. Pauline mag klassische Musik, modernes Theater, trauriges Kino, abgedrehten Humor und die kleinen Haubentaucher in der Alster. Als rasende Reporterin ist sie immer auf der Suche nach neuen Formen von Kunst und Kultur.

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