Von wegen trutschig!

Foto: Bo Lahola

Der Liederabend „Sekretärinnen“ in den Hamburger Kammerspielen macht viel Spaß.

Bereits vor 20 Jahren blickte Franz Wittenbrink in die unbeachteten Winkel des Büroalltags und machte daraus ein sehr erfolgreiches Bühnenstück, das im Schauspielhaus uraufgeführt wurde. Dieses Jahr ist sein Liederabend „Sekretärinnen“ in einer Bearbeitung von Ulrike Arnold zurück nach Hamburg gekehrt. In den Hamburger Kammerspielen kann man noch bis zum 3. Januar Einblick in das Leben von fünf singenden Bürodamen gewinnen.

Diese sind in unserer heutigen Zeit zu Hause, wie die Geräuschkulisse verrät, die sie begleitet: Gleich zu Beginn des Stücks ertönt rhythmisches Klackern, erzeugt von monotonem Tippen – die Hintergrundmusik im Großraumbüro. Andere Computergeräusche ergänzen diese: Der Sound beim Hochfahren des Computers oder die kühle Stimme, die verkündet „You`ve got Mail.“ Darüber hinaus begleitet auch ein klassisches Klavier den Gesang.

Jede Sekretärin, die an einer kleinen Arbeitsinsel mit Schreibtisch, Zimmerpflanze und Computer sitzt, ist auf ihre Art ein Showtalent. Roxanne singt mit viel Soul in der Stimme von ihrer Identitätskrise. Die melancholische Marleen bevorzugt eher Schubert, wenn sie nicht gerade sinnentleerte Gedichte rezitiert. Ein wahrer Paradiesvogel ist Michelle, gespielt von der transsexuellen Schauspielerin Zazie de Paris. Und dann gibt es noch die hübsche Mandy, die schrullige Senta, die biedere Maria und einen IT-Experten, den einzigen singenden Mann im Großraumbüro. 

Zwei Stunden eines banalen Arbeitsalltags können so voll mit Empfindungen und so unterhaltsam sein wie zwei Monate: Ob nun der Liebeskummer oder die Geldsorgen – Für alle Probleme wurden Songs gefunden, die wohlbekannt in neuem Gewand daherkommen. Trude Herr, Aretha Franklin, Conchita Wurst, Wir sind Helden, The Beatles und viele mehr streifen den Liederabend. Das perfekte Stück, um nach der Weihnachtszeit wieder Vorfreude auf den Büroalltag zu entwickeln. So grau, wie dieser manchmal scheint, ist er nämlich gar nicht.

 Bis 3. Januar, mehr Infos unter www.hamburger-kammerspiele.de

Katharina (Kulturredaktion)

Autor des Artikels: Katharina (Kulturredaktion)

Katharina (30), arbeitet als freie Journalistin in Hamburg. Sie liebt es, in die Vielfalt des Hamburger Kulturlebens einzutauchen und in den Kontrasten zu baden. Sie betrachtet die Welt vorzugsweise durch eine poetische Brille und hat eine Schwäche für gut erzählte Geschichten, melancholische Musik und alles Romantische.

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