Was die Welt bewegt

Foto: Sofie Silbermann

Gesellschaftskritisches Festival: Vom 23. Januar bis zum 7. Februar lädt das Thalia Theater zu den Lessingtagen ein

„Der Starredner in diesem Jahr ist Hamburg, also wir alle,“ so kündigt Joachim Lux, Intendant des Thalia Theater, die diesjährigen Lessingtage an. Traditionellerweise wird das beliebte Theaterfestival seit mehreren Jahren mit dem Vortrag eines berühmten Denkers eröffnet. Dieses Jahr beginnt es mit einem Bürgergipfel, bei dem Hamburger mit Neuzugezogenen zusammentreffen. Dies ist die Antwort des Theaters auf über eine Millionen geflüchtete Menschen, die in diesem Jahr in unser Land gekommen sind. Die Leute sollen miteinander ins Gespräch kommen. Über einander werde ja genug geredet, so Lux.

Das Markenzeichen der Lessingtage ist ihre gesellschaftliche Brisanz. Ganz bewusst wird das Programm so zusammengestellt, dass es relevante politische Themen berührt. Die Situation der Flüchtlinge spiegelt sich auch in anderen Stücken wider. Zum Beispiel in einer syrischen Version der Antigone-Tragödie. Der junge syrische Autor Omar Abusaada zeigt in seinem Stück „Antigone of Shatila“ die Situation syrischer Frauen in seiner Heimat, die es laut eigener Aussagen „sehr viel schwerer hätten als Männer“. In seinem Stück lässt er 17 geflüchtete Frauen von ihrer Flucht und ihrem Kampf um ein besseres Leben erzählen.

Die Gefahren der Abschottung

Was passieren kann, wenn man sich nicht zur Welt hin öffnet, sondern sich vollkommen abschottet, thematisiert das international gefeierte Stück "300el x 50el x 30el" des belgischen Künstlerkollektivs FC Bergmann. Der geheimnisvolle Titel bezieht sich auf die Maße der Arche Noah. Das biblische Motiv ist ein passendes Symbol für die Dorfgemeinschaft, die auf der Bühne gezeigt wird. Die Anwohner sind vollkommen isoliert, sie haben beschlossen ganz unter sich zu bleiben. Eine voyeuristisch über die Bühne kreisende Kamera eröffnet eine zusätzliche Erzählebene zum Bühnenraum und macht den Zuschauer zum Voyeur. So wird ein Grauen entlarvt, das innerhalb des Stillstandes entsteht. Abgründige und symbolträchtige Bilder erinnern an die Ästhetik des skandinavischen Kinos.

Auch von den Religionen wird viel gesprochen, gelten sie doch oft als Quelle von Zerstörung und Leid. Die „Lange Nacht der Weltreligionen“, traditionellerweise der Abschluss der Lessingtage, wirkt dieser Vorstellung entgegen. Hier kommen verschiedene Vertreter der Religionen auch mit dem Publikum ins Gespräch, um sich danach idealerweise besser zu verstehen. In diesem Jahr dreht sich alles um das Thema „Prophetie und Gerechtigkeit“.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere spannende Programmpunkte. Zum Beispiel ein Tanzstück, das Riten und Traditionen aus Südafrika neu erfindet und postkolonialen Strukturen so entgegenwirkt, ein Monolog, der hinterfragt, wann und wie wir Mitleid bezüglich politischer Ereignisse empfinden, eine Lesung mit dem Friedenspreisträger Navid Kermani in einem Rotlichtschuppen auf der Reeperbahn, zeitgeschichtliche Stadtführungen, ein „Heimatabend“ mit Liedern aus verschiedenen Kulturgebieten, die in Hamburg zusammentreffen und vieles mehr.

Infos gibt es hier: www.thalia-theater.de/de/international/lessingtage

Katharina (Kulturredaktion)

Autor des Artikels: Katharina (Kulturredaktion)

Katharina (30), arbeitet als freie Journalistin in Hamburg. Sie liebt es, in die Vielfalt des Hamburger Kulturlebens einzutauchen und in den Kontrasten zu baden. Sie betrachtet die Welt vorzugsweise durch eine poetische Brille und hat eine Schwäche für gut erzählte Geschichten, melancholische Musik und alles Romantische.

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