Zielsichere Zauberkugeln

Foto: Hilda Lobinger

The Black Rider - The Casting Of The Magic Bullets: Schräges Musical von Tom Waits, Robert Wilson und William S. Burroughs am Altonaer Theater

Die Teufelin in dem langen roten Kleid singt einen Song von Tom Waits. Ihre Stimme knarzt, ächzt und krächzt, dass der Ausnahmemusiker seine helle Freude an ihr gehabt hätte. Viola von der Burg ist Schauspielerin und auf den ersten Blick eine eher damenhafte Erscheinung. In dem Musical „The Black Rider – The Casting Of The Magic Bullets“ verbindet sie diese Eleganz mit einer enthemmten Derbheit. Eine schräge Verbindung von scheinbar Gegensätzlichem, die perfekt in das Stück passt, das Robert Wilson, Tom Waits und William S. Burroughs in den 1990er-Jahren gemeinsam für das Thalia Theater erarbeitet hatten und das damals mit Dominique Horwitz in der Hauptrolle in Hamburg uraufgeführt wurde.

Nun ist „The Black Rider“ zurück in Hamburg, in Form einer schrillen, phantasievollen Inszenierung vom Metropoltheater München, die ihrem Vorläufer durchaus das Wasser reichen kann. Viola von der Burg mit der rauchigen Tom Waits-Stimme spielt Stelzfuß, die Teufelsfigur, die einem armen Schreiberling, der nicht schießen kann, Zauberkugeln unterjubelt. So steigt dieser innerhalb von kürzester Zeit zum Jägerstar auf, und erreicht sein Ziel: Der Förster verspricht ihm seine Tochter zur Braut. Das Tragische ist aber, dass die Zauberkugeln machen, was sie wollen. Die meisten erfüllen die Wünsche desjenigen, der sie abfeuert. Einige von ihnen werden aber von der Hand des Teufels gelenkt. Als der junge Wilhelm kurz vor der Hochzeit seine Schießkunst unter Beweis stellen muss, erschießt er statt einer Taube seine Braut.

Der Handlung des Musicals liegt die Sage vom „Freischütz“ zugrunde und eine reale Tragödie, die der Schriftsteller William S. Burroughs im Schreiben der Musicalhandlung verarbeitete. Am 6. September 1951 wollte dieser im stark alkoholisierten Zustand demonstrieren, wie gut er schießen konnte. Er zielte auf ein Cocktailglas, verfehlte es und erschoss seine Frau. Weiß man über diesen Hintergrund, so sieht man „The Black Rider“ noch einmal mit anderen Augen. Als düstere Parabel dafür, wie verletzlich das Leben ist und wie gefährlich es ist, im Rausch damit zu spielen.

Das Spiel auf der Bühne, das in einem Mix aus englischer und deutscher Sprache vorgetragen wird, ist dennoch wunderbar unterhaltsam. Zum Beispiel durch die Choreografien von Katja Wachter, in denen sich Regenschirme in Flügel, Spiegel, Schreibgeräte, Schwarzwaldtannen und natürlich immer wieder in Gewehre verwandeln.

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Katharina (Kulturredaktion)

Autor des Artikels: Katharina (Kulturredaktion)

Katharina (30), arbeitet als freie Journalistin in Hamburg. Sie liebt es, in die Vielfalt des Hamburger Kulturlebens einzutauchen und in den Kontrasten zu baden. Sie betrachtet die Welt vorzugsweise durch eine poetische Brille und hat eine Schwäche für gut erzählte Geschichten, melancholische Musik und alles Romantische.

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