Streifzüge durch Hamburg
Liselotte W., 84 Jahre
In Hamburg war ich schon oft, habe aber mit den Reisegesellschaften eigentlich immer das gleiche gesehen: Stadtrundfahrt, Hafenrundfahrt, St. Michaelis.
Bis mir 2002 ein Hamburger Herr begegnete, der mir anbot, mir die Hansestadt einmal ganz anders zu zeigen. Von 2004 an war ich dann jedes Jahr im Frühling zwei Wochen in Hamburg und wurde von diesem Herr geführt - dem besten Reiseleiter, den man sich vorstellen kann.
Die meisten Sehenswürdigkeiten und Museen, die auch im "Baedeker" verzeichnet sind, kenne ich inzwischen. Selbst die Mittagsandacht im "Michel" habe ich besucht. Ich habe Riesen-Containerschiffe und Große Passagierschiffe gesehen, aber auch das Feuerschiff "Branddirektor Kipping" (Branddirektor Kipping war mein Urgroßvater, der 1892 bei einem Hafenbrand tödlich verunglückt ist). Leider gibt es das Bronze-Denkmal für ihn nicht mehr, es stand in der Feuerwehr-Hauptwache in der Spitalerstraße. Heuer fand ich auch das Boot nicht mehr, es soll angeblich verschrottet werden. Schade, denn es könnte doch im neuen Schiffsmuseum in der Hafencity seinen Platz finden.
Aber wie viele Hamburg-Touristen kennen schon das Eidersperrwerk? Es ist in den Ausmaßen beachtlich (es soll ja auch Schutz vor Sturmfluten der Nordsee bieten) und sieht aus wie Riesenkatapiller aneinandergereiht. Es war gerade Flut, was für mich als "Binnenländler" immer besonders interessant ist.
Ein anderes Mal haben ich und mein Reisebegleiter den "Beluga" gesehen, wie er gerade beladen wurde und dann startete. Wir waren im "Alten Land" zur Obstblüte, bestaunten die herrlichen Fachwerkhäuser mit den Ziegelverzierungen und den Reetdächern und besuchten alle Schlösser bis Glücksburg - auch das "Seedorfer Torhaus" in der Holsteinischen Schweiz (dort habe ich 1941 meinen Arbeitsdienst geleistet, inzwischen ist es aber neu renoviert).
Ich bin mit dem Wasserflieger über Hamburg geflogen und sah mir mal alles von oben an. Da merkt man erst, wie grün Hamburg ist und wie viele Inseln und Wasserläufe es innerhalb von Hamburg gibt. Auch die Villen an der Elbchaussee und die Villen und Botschaften an der Außenalster sind wirklich beachtenswert.
Zwei Mal waren wir in der Oper: "Fidelio" und "Zar und Zimmermann". Es waren beachtliche Aufführungen und zum Glück keine "Neuinszenierungen", denn die schätze ich nicht so. Ich habe im Laufe meines Lebens so viele Opern in der Staatsoper Wien und in Salzburg gesehen, so dass ich schon gut vergleichen kann.
Und natürlich fuhren wir auch mit dem neuen Katamaran nach Helgoland. Herrlich, kein Abspringen auf die Börteboote mehr.
Ich habe mehrmals eine Rathausführung gemacht um die wunderbaren Schnitzereien zu sehen, was ich selbst auch kann.
Das war nur ein kleiner Auszug aus unseren Streifzügen. Wenn meinem Reiseleiter noch genügend einfällt - was ich nicht bezweifle - werde ich wiederkommen. Eines weiß ich ja auch schon: Das neue Marine-Museum muss ich ganz bestimmt sehen. Ich habe natürlich auch alle angebotenen Schiffsrundfahrten gemacht, aber das steht ja im Baedeker!
Jedenfalls, es war in Hamburg und um Hamburg wunderschön. Ich glaube, dass ich manchem Hamburger etwas voraus habe: Ich kenne die Stadt besser!
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