Hamburg - die Wiege der Kreuzfahrt

Vom Hamburger Hafen aus stachen über die Jahrhunderte unzählige Passagiere in See und begaben sich auf eine lange Reise über das Meer. Doch tatsächlich begann auch die Reise der Kreuzfahrt selbst genau hier, in Hamburg. Begeben Sie sich auf Spurensuche und entdecken Sie die spannende Historie der Kreuzfahrt in Hamburg - von der allerersten "Vergnügungsfahrt" bis hin zu den Ozeanriesen der Neuzeit.

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"Dem norddeutschen Winter zu entfliehen - das war der Plan."

Als die Passagiere am 22. Januar 1891 zur ersten „Excursion“ der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG) die AUGUSTA VICTORIA erreichten, war es in Cuxhaven bitterkalt. Der Wind zerrte an den Reisekostümen der 67 Damen und wehte den 176 Herren die Hüte vom Kopf. Die Gäste störten sich nicht an den Widrigkeiten der Abreise. Sie waren Pioniere. Bereit, sich auf eine 57-tägige „Lustfahrt“ einzulassen, mit exotischen Zielen wie Gibraltar und Alexandria, Beirut und Konstantinopel.

Niemand hatte bisher im Traum daran gedacht, sich nur zum Vergnügen auf einen Dampfer zu begeben. Auf dem Atlantik schaukelte es erbärmlich, und die Schiffe boten selbst in der 1. Klasse wenig Komfort. Schiffsreisen waren ein notwendiges Übel auf dem Weg nach Übersee. Die Hamburger Hapag-Reederei verdiente an ihren Liniendiensten und dem Transport von Auswanderern in die neue Welt. Im Winter jedoch lagen die Auswanderer-Schiffe meist im Hafen, weil die Transatlantik-Buchungen mit Beginn der Novemberstürme rapide zurückgingen.

"Das Direktorium glaubte, ich sei in meinem Oberstübchen nicht ganz richtig"

Wie nur sollte man die Schiffe auslasten? Der ehrgeizige Hamburger Reeder Albert Ballin  (1857-1918) präsentierte seinen kopfschüttelnden Kollegen im Direktorium die Idee, die AUGUSTA VICTORIA im Winter auf „Vergnügungsfahrt“ ins Mittelmeer zu schicken. Die Mehrheit im HAPAG-Direktorium glaubte, „es sei in meinem Oberstübchen nicht ganz richtig“, erinnerte sich der Visionär später. Es gelang ihm aber nicht nur, die Kollegen zu überzeugen. Er schaffte es gar, dass Kaiser Wilhelm II. am Abreisetag persönlich auf der Pier in Cuxhaven erschien. 

Die Reise wurde ein voller Erfolg. An Deck flanierten standesgemäß gekleidete Offiziersgattinnen, Juristen und Kaufleute, bei Landausflügen freute sich die betuchte Klientel am Duft der Zitronenhaine, und abends spielte die Bordkapelle zum Tanz. Ballin soll sich persönlich darum gekümmert haben, dass es an Champagner und Kaviar nie mangelte.

Ob diese Pionier-Reise in den Orient tatsächlich die Geburtsstunde der Kreuzfahrt gewesen ist – oder ob die Vaterschaft der „Peninsular and Oriental Steam Navigation Company“ (heute P&O Cruises) zuzuschreiben ist, die bereits 1844 eine Kreuzfahrt nach Malta, Athen und Alexandria angeboten hatte, darüber streitet man nach wie vor. Die P&O-Kreuzfahrt war ein einmaliges Unterfangen, die Reise der AUGUSTA VICTORIA der Auftakt für eine Vielzahl von „Vergnügungsreisen zur See“. Für die Hamburger gilt Albert Ballin als der Erfinder des maritimen Vergnügens. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der amerikanische Autor Mark Twain schon 1867 an einer mehrmonatigen Kreuzfahrt teilgenommen und später seine Erlebnisse an Bord des Dampfseglers in seinem Werk „Die Arglosen im Ausland“ veröffentlicht hat.

© Museum für Hamburgische Geschichte

Es mangelte den ersten Kreuzfahrtgästen nicht an Champagner und Kaviar

© Hapag Lloyd AG Hamburg

Albert Ballin hatte mit der ersten Luxus-Kreuzfahrt nicht nur eine Branche revolutioniert, sondern en passant einen neuen Geschäftszweig erfunden. Außer ein paar Jahren auf der Jüdischen Volksschule und einem ausgeprägten diplomatischen Geschick hatte er wenig vorzuweisen. Bis zum Tod seines Vaters 1874 hatte er in dessen Unternehmen günstige Schiffspassagen an Auswanderer vermittelt. Mit 22 besaß der als scharfsinnig und cholerisch geltende Albert Ballin zwei Schiffe, mit 31 war er Direktor und mit 41 Generaldirektor der HAPAG. 

1894 begann auf Betreiben des Kaiser-Freundes Ballin die erste Nordland-Kreuzfahrt hinauf bis zu den Lofoten, 1896 folgte die erste Reise in die Karibik, die damals noch Westindien hieß. 1899 schrieb Ballin in einem Brief: „Ich werde morgen mit der hiesigen Werft von Blohm & Voss den Bau eines Dampfers kontraktieren, welcher in seiner Art einzig in der Welt dastehen wird. Eine große Yacht, die weder Post noch Ladung befördert und nur für Reisende der ersten Klasse eingerichtet ist. Dieses Fahrtzeug wird den Passagieren einen Comfort bieten, wie er bisher auf Schiffen niemals erreicht worden ist.“

Tatsächlich trat die erste eigens für Kreuzfahrten gebaute PRINZESSIN VICTORIA LUISE nach einem Streik der Hafenarbeiter ihre Jungfernreise von Hamburg über New York in die Karibik erst im Januar 1901 an. Die HAPAG achtete peinlich darauf, dass der Name der Kaisertochter fehlerfrei am Bug auftauchte. Hatte man doch zuvor den Schnelldampfer AUGUSTA VICTORIA nach der Gemahlin des Kaisers benannt, die verbrieft Auguste hieß, leicht seekrank wurde und weder Schiffe noch den jüdischen Reeder Ballin besonders gut leiden konnte.

Die Fernsehserie „Love Boat“ bescherte der Kreuzfahrtbranche einen neuen Aufbruch

Auch andere Reedereien wie der Norddeutsche Lloyd in Bremen und die britische Cunard Line stiegen ins Kreuzfahrtgeschäft ein. Für alle hatte der erste und der zweite Weltkrieg schwere wirtschaftliche Folgen. Nach 1945 war das Passagierschiff auf der Langstrecke zwar noch das Transportmittel Nummer 1 – jedoch wurde absehbar, dass die Linienschifffahrt durch den Flugverkehr abgelöst werden würde. 

Allein der wirtschaftliche Aufschwung und der Umstand, dass die Menschen mehr Freizeit hatten, verhalf den Reedereien in den 60er Jahren zu einer Blütezeit. 1970 schlossen sich die HAPAG und der Norddeutsche Lloyd zu Hapag-Lloyd zusammen, quasi ein frühes Joint Venture.

Die amerikanische Serie „Love Boat“ bescherte der Kreuzfahrtbranche ab 1977 weitere  Erfolge – wie auch die deutsche ZDF-Serie „Das Traumschiff“ mit Sascha Hehn ab 1981 die Fantasie potenzieller Kreuzfahrtgäste beflügelte. In den achtziger Jahren füllten sich die Auftragsbücher der Werften. Waren Seereisen bislang eher vermögenden Gästen vorbehalten, wurden nun vermehrt auch Reisen im mittleren Preissegment angeboten. Neue Ziele wie die Arktis, die Antarktis und der Amazonas kamen hinzu.

Kreuzfahrtanbieter wie Aida Cruises, Tui Cruises - Mein Schiff und Phoenix haben diese Reiseform in Deutschland populär und erschwinglich gemacht. 1,8 Millionen deutsche Kreuzfahrtgäste sind inzwischen auf den Meeren unterwegs. 24 Millionen sind es weltweit. Begonnen hatte alles in einem HAPAG-Kontor in der Hansestadt…

© Hapag Lloyd AG Hamburg

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