© Maxim Schulz
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Die einzigartige Klangarchitektur

EIN JOB AN DER SCHNITTSTELLE VON ARCHITEKTUR UND SOUND

© Michael Zapf

Ein Job an der Schnittstelle von Architektur und Sound

Dass in der Elbphilharmonie diese Erlebnisse auf höchstem Klangniveau stattfinden können, verdankt Hamburg einem 64-jährigen Japaner mit einer seltenen, fast unbekannten Berufsbezeichnung: „Klang-Architekt“. Er heisst Yasuhisa Toyota und gehört zu den renommiertesten und begehrtesten Akustikern der Welt. In enger Zusammenarbeit mit den Architekten von Herzog & de Meuron verantwortet der Akustik-Spezialist an der Schnittstelle von Design und Architektur das Klangkonzept der Elbphilharmonie. Sehen kann man das, was den Kern seiner Arbeit ausmacht, nicht – dafür aber hören: Toyota gehört zu einer Handvoll Spezialisten weltweit, die wissen, wie man jenen Sound erzeugt, den Klassik-Fans in Verzückung versetzt. Der Mann ist international gefragt: Zum Portfolio seiner Tokioter Firma Nagata Acoustics, in der Toyota einst als Lehrling anfing und der er heute vorsteht, gehören um die 60 Konzertsäle und –Renommierhäuser, darunter das Sydney Opera House, das Konzerthaus in Kopenhagen sowie die von Frank Gehry entworfene Walt Disney Concert Hall in Los Angeles. Toyotas Mission beim Projekt Elbphilharmonie: Gleicher Klang für alle – jeder Platz im Großen Saal solle das gleiche, perfekte Klangerlebnis bieten. Bei mehr als 2.100 Konzertbesuchern, die der Konzertsaal fasst, ein ambitioniertes Ziel. Doch es ist Toyota und seinem Team gelungen.

Ein demokratisches Klangerlebnis

Die Lösung, die Toyota und sein Team gemeinsam mit den Architekten von Herzog & De Meuron erdachte, basiert auf dem sogenannten Weinberg-Prinzip, bei dem sich die Publikumsränge um das Orchester in der Mitte des Saals herum gruppieren. So sitzt im Großen Saal kein Besucher weiter als ca. 30 m vom Dirigenten entfernt. Das schafft eine hohe Intimität und ein immersives Klangerlebnis erster Güte.Technik, Berechnungen und Millimeterarbeit sind das Vokabular, das die Physiker, Ingenieure und Elektroingenieure in Toyotas Team perfekt beherrschen. Mit dem Ziel der Demokratie des Klangs vor Augen entstand so die Idee der sogenannten „Weißen Haut“ für die Wand-und Deckenverkleidung im Konzertsaal: 10.000 individuell gefräste, schuppenartige Gipsfaserplatten, von denen jede um die 70 Kilo wiegt (allein ihre Herstellung dauerte insgesamt ein Jahr, weil erst die entsprechenden Maschinen gebaut werden mussten). Sinn und Zweck der Platten: die Reflektoren zu bilden, die die vom Orchester gespielten Töne im Konzertsaal brechen und zurückwerfen und so für die ideale Akustik sorgen. Denn: In einem Konzertsaal kommen auf den meisten Plätzen höchstens fünf Prozent des Schalls, der das Ohr erreicht, unmittelbar von der Bühne – der Rest ist mindestens einmal irgendwo im Saal reflektiert worden.

© Oliver Heissner
© Michael Zapf

Sound-Simulation im Sperrholzmodell

Die „Weiße Haut“ allein ist ein kompliziertes Konstrukt, das Toyota und sein Team weit im Voraus akribisch planen musste. An einem Sperrholzmodell in einem Hamburger Kaispeicher wurden die Bedingungen des Konzertsaales im Maßstab 1:10 aufwändig simuliert; in ihrem Modell nahmen Toyota und sein Team monatelang an verschiedensten Stellen Mikrofon-Messungen der Tonfrequenzen (zwischen Zuschauer-Puppen mit Filzkleidern und kleinen Perücken!) vor, veränderten Details, richteten aus und kalibrierten Abstände. Ein riesiger Trichter, der von der Decke kommt, ist der Finishing Touch beim Akustikerlebnis im Großen Saal der Elbphilharmonie: Der große Klangreflektor wurde von Meister Toyota höchstpersönlich eingestellt und befestigt. Wer die ersten flüchtigen musikalischen Töne durch den Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie schweben hört, wird merken, dass sich Toyotas sensible Arbeit über sieben Jahre gelohnt hat. Und dem mag sich erschließen, was der indische Sufi-Meister und Musiker Hazrat Inayat Khan wohl gemeint hat, als er sagte: „Wer das Geheimnis der Töne kennt, kennt das Mysterium des ganzen Weltalls.“

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