Ausstellungen aktuell

Klimakapseln

Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und den Problemen, Länder zu verbindlichen Maßnahmen für den Klimaschutz und Bürger zum Veränderung ihres Verhalten zu bewegen, stellt die Ausstellung die Frage „Wie wollen wir in der Zukunft leben?“ und setzt sich mit gesellschaftspolitischen Folgen für das Zusammenleben unter veränderten Klimabedingungen auseinander. Die Ausstellung fasst erstmals historische und aktuelle klimabezogene Modelle, Konzepte, Strategien, Experimente und Utopien aus Design, Kunst, Mode, Wissenschaft, Architektur und Städtebau zusammen, die nicht das Ziel verfolgen, den Klimawandel aufzuhalten, sondern sich mit den Möglichkeiten der Anpassung an den Klimawandel auseinandersetzen und Visionen für das Leben in der Zukunft entwerfen.

Zu sehen sind rund 25 mobile, temporäre, urbane und globale Kapseln, mit denen menschliches Leben unabhängig von den klimatischen Bedingungen möglich werden soll – von schwimmenden Städten über Körperkapseln und Klimakleider bis zu Konzepten der Meerwasserdüngung oder Schwefeleinstreuungen in die Stratosphäre.

Ein Symposium, ein Filmprogramm, Lesungen, Performances und Workshops beschäftigen sich mit der Wechselwirkung zwischen Gestaltungsprozessen und politischen Einflussfaktoren wie Migration, Grenzpolitik und Ressourcenkonflikte und reflektieren die Folgen für soziale und kulturelle Abschottungen und Ausgrenzungen.

Die Ausstellung ist in fünf nach Maßstäben (von der Mikro- zur Makroebene) geordnete Kapitel gegliedert: Körperkapseln, Wohnkapseln, Urbane Kapseln, Naturkapseln und Atmosphärische Kapseln.

Körperkapseln: Die Ausstellung beginnt beim Besucher selbst, beim eigenen Körper, und stellt die Frage, wie Menschen ihren Körper vor verschmutzter Luft, Umweltgiften, Unwettern und aggressiver Sonnenein-strahlung schützen. "Körperkapseln" thematisiert die Kleidung als Schutz des Körpers vor den klimatischen Bedingungen und stellt die Frage, ob der Weltraumanzug das Symbol für die Eroberung des unwirtlichen Raumes und zum Vorbild zukünftiger Bekleidungsstile wird.

Wohnkapseln: In diesem Kapitel weitet sich der abgekapselte Raum von der Körperhülle zur unmittelbaren Wohnraum aus. Utopische Entwürfe mobiler Kapseln aus den 60er Jahren waren noch Teil eines Diskurses, der in Nachfolge von Architekten wie Constant oder Yona Friedmann temporäre und mobile Bauten als experimentelle Freiheitsräume hervorhob. Heute ist Mobilität nicht mehr nur mit Freiheit verbunden – das Gegenüber zur freiwilligen Mobilität ist die Flucht, die räumliche Entsprechung das vorübergehenden Lager.

Urbane Kapseln: Städte sind die größten Energieverbraucher und die Verstädterung nimmt weltweit weiter zu. Zero Waste, Zero Emission, Zero Energy ist das aktuelle Credo. Schon in den 50er Jahren hat Richard Buckminster Fuller mit dem "Manhattan Dome" die Utopie einer klimaautarken Umstrukturierung von Stadt skizziert. Heute werden diese Abkapselungen vom Außen bei gleichzeitiger Gestaltung interner Klimawelten tatsächlich realisiert, sei es im Maßstab großer Gebäudekomplexe oder energie-autarken Städten wie "Masdar" von Norman Foster. Andere Konzepte zeigen, dass das System Stadt vor dem Hintergrund drohender Klimakatastrophen zunehmend als autarke, nach außen abgeschlossene Einheit mit der Notwendigkeit einer selbstbezogenen Bewirtschaftung ihrer ökologischen Ressourcen verstanden wird.

Naturkapseln: So wie die Stadt gegenüber der klimatologisch sich verändernden Umwelt geschützt wird, soll auch die Natur in eine Sphäre der gesicherten Künstlichkeit gehoben und in Naturkapseln konserviert werden. Ökosysteme werden auf der Mikro-Ebene von Menschenhand nachgebildet und nach außen hin abgeschottet. Was zunächst als Schutzmechanismus daher kommt, entzieht die versammelte Flora und Fauna gleichzeitig dem Anschluss an das Ökosystem "Erde" auf der Makro-Ebene. Daran schließt die Frage an: Handelt es sich bei dem Beschützten überhaupt um Natur?

Atmosphärische Kapseln: Der maximale Maßstab adaptativer Gestaltungsstrategien wird im Geo-Engineering erreicht. Mit chemischen oder physikalischen Eingriffen wird versucht, klimatologische, geo- und biochemische Kreisläufe auf globaler Ebene aktiv zu gestalten und so das Klima zu moderieren. Historische Paten für diese Entwicklung sind der parawissenschaftliche "Cloudbuster" des Psychoanalytikers Wilhelm Reich und das "Project Cirrus" der US ARMY (US), die auf unterschiedliche Weise das Wetter technisch zu beeinflussen versuchten. Heute arbeiten verschiedene renommierte Wissenschaftler und Forschungseinrichtungen an großmaßstäblichen Eingriffen zur Abschirmung des Weltklimas vor negativen Einflüssen. Utopischen Vorschlägen stehen machbare Projekte gegenüber, wie Versuche, die Erderwärmung durch den Einsatz von reflektierender weißer Farbe auf Dächern und Straßen zu mindern.

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Termine

27.05.2010 - 12.09.2010

ÖffnungszeitenDi - So, 11:00 - 18:00 Uhr
Do, 11:00 - 21:00 Uhr

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