Die "Neue Heimat" (1950-1982). Eine sozialdemokratische Utopie und ihre Bauten

Ciudad Satelite Naucalpan de Juarez
© Hamburger Architekturarchiv

Die „Neue Heimat“ war der größte und bedeutendste nichtstaatliche Wohnungsbaukonzern im Europa der Nachkriegszeit - mit Hauptsitz in Hamburg. Unter dem Motto „Wir machen alles“ hat das Gewerkschaftsunternehmen in einem Zeitraum von über dreißig Jahren mehr als 400.000 Wohnungen und darüber hinaus seit den sechziger Jahren auch zahlreiche Kommunal- und Gewerbebauten in Deutschland geplant und ausgeführt - die Mehrzahl davon steht noch heute. Die Projekte der „Neuen Heimat“ sind sowohl Ergebnis eines einzigartigen Zusammenspiels von wirtschaftlichen Interessen und Politik, als auch Ausdruck und Spiegelbild der bundesdeutschen Sozialgeschichte. Der Neuen Heimat gelang es, im Zuge des deutschen „Wirtschaftswunders“ der Hoffnung auf ein besseres Leben für eine breite Bevölkerungsschicht programmatisch Ausdruck zu verleihen. Eine Hoffnung, die mit den Bauten der Neuen Heimat konkrete Realität wurde und den Lebensalltag vieler Menschen nachhaltig veränderte. Der skandalträchtige Zusammenbruch des Unternehmens Anfang der achtziger Jahre wirkte wie ein Schock auf die westdeutsche Bevölkerung und markierte das Ende einer Epoche.

 

Erstmals werden in einer Architekturausstellung die Bauten und Projekte der Neuen Heimat an herausragenden Beispielen analysiert und in historischen Fotografien und Filmproduktionen, Planmaterialien und Originalmodellen präsentiert. Thematisiert werden in der Ausstellung u.a. die Planungs- und Entstehungsgeschichten von Großsiedlungen in Hamburg wie die in Neu-Altona und in Mümmelmannsberg sowie die Neue Vahr in Bremen, die mit dem eleganten Wohnturm von Alvar Aalto Geschichte schrieb. Gezeigt werden außerdem sogenannte Demonstrativ-bauvorhaben wie der „Emmertsgrund“ in Heidelberg, das nicht realisierte Alsterzentrum in Hamburg und die Entlastungsstadt Neuperlach in München. Dort wagte sich das Unternehmen an das damals europaweit größte Siedlungsbauprojekt: Geplant war es für 80.000 Bewohner. Darüber hinaus werden nicht weniger gigantische Großprojekte wie das spektakuläre ICC Berlin oder das Universitätsklinikum Aachen und die bis heute kaum bekannten internationalen Bautätigkeiten der Neuen Heimat von Frankreich über Ghana bis Mexiko vorgestellt.

 

Seit der Abwicklung der Neuen Heimat ist das Unternehmen häufig auf den Bau von heute eher problematisch rezipierten Großsiedlungen reduziert worden, was lange Zeit eine differenzierte und historisch angemessenere Einschätzung seiner Bauprogramme und baupolitischen Ziele verhinderte. Die Ausstellung lädt dazu ein, die Geschichte der Neuen Heimat einmal genauer zu betrachten - vor allem vor dem gegenwärtig immer lauter werdenden Ruf nach bezahlbarem Wohnraum, der Städte und Kommunen vor große Herausforderungen stellt. Der zeitliche Abstand von über einer Generation bietet die Chance für einen kritischen Rückblick darauf, was aus der sozialdemokratischen Utopie eines bis heute angestrebten „Wohnens für Alle“ geworden ist.

 

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