Schön, düster und geheimnisvoll

"Nordpuls" begibt sich in den Deichtorhallen mit dem Kurator Ingo Taubhorn auf die Spuren Guy Bourdins

© Ulrike Schmidt

Es ist ein faszinierender und auch ein wenig unheimlicher Kosmos, in den Ingo Taubhorn eine große Gruppe "Nordpuls"-Mitglieder am 9. Januar führt. Die von ihm kuratierte Ausstellung rund um den französischen Fotografen Guy Bourdin beginnt im Mittelbereich im Haus der Photographie in den Deichtorhallen.

Dort konfrontiert sie den Besucher mit von allen Seiten behängten Wänden sofort mit dem, was Bourdins Werk so besonders macht: Man sieht Fotografien von großer Schönheit, gemacht für Hochglanzmagazine wie die "Vogue", die erhaben alles Profane an sich abprallen lassen und dennoch nicht glatt sind.

Das Weibliche wird in Zusammenhang mit Tod und Sex theatralisch in Szene gesetzt. Man fragt sich, wie die gut aussehende Leiche mit dem schönen Kleid an den Tatort gekommen ist, warum die Frau mit den schicken Schuhen im Mauseloch verschwindet... Man wird es nicht erfahren, kann darüber rätseln. „Bourdin erweitert den Blick auf die Welt und entzieht sich ihr zugleich“, erzählt Taubhorn. Dabei merkt man dem hochgewachsenen, in Jeans und dunklem Pulli gekleideten Mann die Begeisterung für seine Ausstellung deutlich an und das, obwohl er von sich selbst sagt, „gar kein Fashion-Victim“ zu sein.

Guy Bourdin erfüllt stets seinen Auftrag, Mode perfekt zu präsentieren, zugleich erzählt er aber auch Geschichten. Als verträumter und scharfsinniger Künstler mit viel Sinn für schwarzen Humor ist Bourdin immer ein Rätsel geblieben.

© Estate of Guy Bourdin
© Ulrike Schmidt

Das wird klar, als Taubhorn durch die weiteren Bereiche der Ausstellung führt. Erstmals werden dort auch Malereien Bourdins präsentiert. Taubhorn zeigt, wie die ins Surreale driftenden Bilder einerseits von einer fast akribischen Detailgenauigkeit bestimmt sind, an anderen Stellen aber ins Grobe abschwimmen. Sie bleiben Fragmente, reizen dazu sie vollenden zu wollen. Ein weiterer Raum zeigt kleine Bilder in Schwarzweiß aus Bourdins Anfangszeit als Fotograf. Die Szenen aus Paris wirken erst wie flüchtige Momentaufnahmen aus dem Alltag. Sieht man genauer hin, erkennt man in ihnen eine Symbolik, die man nicht immer entschlüsseln kann.

Sehr intim wirken private Dokumente hinter einer Glasvitrine: Briefe, Postkarten, kleine Zeichnungen. Um diese aus einem Archiv in Frankreich zu holen, verbrachte der Kurator Ingo Taubhorn mit Bourdins Sohn Samuel eine abenteuerliche Autofahrt. Über den Sohn erhielt er so neue Erkenntnisse über Biografie und Kunst des Vaters. Auch wenn Taubhorn in seiner Ausstellung das Werk Bourdins äußerst gründlich rekonstruiert hat, wie man seiner spannenden Führung anmerkte, konnte er dennoch nicht alle Puzzleteile zusammentragen. Und das ist auch gut so. Gerade das Geheimnisumwitterte macht diese Guy-Bourdin-Retrospektive so sehenswert.

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