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Kogge

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© Kogge

Wer endlich in der Kogge angekommen ist, muss genau nirgendwo mehr hin. Zu trinken gibt es bis in die frühen Morgenstunden, bis vier in der Woche, bis sechs am Wochenende.

Die grellen Leuchtreklamen auf der Reeperbahn haben die Augen müde gemacht, die Beine schmerzen vom Spießrutenlauf durch das Gewühl aus Partytouristen und Koberern, nach dem Lauf von Hotspot zu Hotspot sehnt man sich nach nichts mehr als einem ganz normalen Bier und ganz normalen Gesprächen. Die Rettung liegt so nah, aber etwas versteckt in einer unbeachteten Parallelstraße der Reeperbahn, im Magnetfeld von Spielbudenplatz und Davidwache: die Kogge.

Eigentlich ist die Kogge ein Hotel, aber ohne Concierge und uniformiertes Personal mit einstudiertem Servicelächeln. „Rock’n’Roll Hotel“ nennt man sich selbst. Ab 30 Euro kann man in „Honeckers Herrenzimmer“ nächtigen, wer ein Doppelzimmer benötigt, ist mit 50 Euro dabei und landet vielleicht im „Tikki Room“ oder im „Punk Royal“. 

Den Schlüssel gibt es an der Bar, was man wissen muss: Denn nichts deutet hier darauf hin, dass die Kogge etwas anderes sein könnte als eine Kneipe.

Im Grunde ist sie sogar die Blaupause einer Kneipe: Die Augen blicken in ein angenehmes Dunkel, es gibt Flaschenbier für wenig Geld, überall darf, ja: muss geraucht werden, und ein Kicker lässt den Ball rollen, ohne dass man Münze um Münze einwerfen müsste. Die Musik – Stromgitarre zumeist, manchmal auch Ska, die Kogge hat schließlich eine linksalternative Tradition – ist laut genug, um nicht nur Beiwerk zu sein, aber Gespräche über das Leben, das Universum und den ganzen Rest lassen sich trotzdem noch angenehm führen. 

Und zwar in aller Ausführlichkeit: Früh nach Hause oder in „Honeckers Herrenzimmer“ muss hier niemand gehen. Zu trinken gibt es bis in die frühen Morgenstunden, bis vier in der Woche, bis sechs am Wochenende. Und wenn die Stimmung es verlangt, bleibt man gern auch noch länger. Nein, sich eilen und stressen muss hier niemand. Wer endlich in der Kogge angekommen ist, muss genau nirgendwo mehr hin.

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