Ami Warning - Wellen Tour 2027 Pop

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Finger tänzeln taktvoll auf Basssaiten, ein verheißungsvolles Stampfen, dazu Ami Warnings geruhsam-sonore, unverwechselbar warme Stimme: »Wir kommen spontan, ham’ uns nicht geschrieben«. Die erste Zeile des neuen Albums der Münchnerin steht bildhaft für ihren schwerelos anmutenden, minimalistischen Soul; ihre Sensibilität, ihren mobilisierenden, sonnendurchstrahlten Flow; ihre grundpositive, mutige DIY-und Macherinnen-Attitüde. »Wellen« - so der Titel von Amis neuer LP - atmet Freiheitsgefühl, Cozyness und Bedächtigkeit. Es beschreibt in dreizehn Akten eine nachspürbare Sehnsucht nach dem perfekten Moment. Und es handelt vom Kreislauf des Lebens, vom Kindsein und Altwerden, von Prägung und Kontinuitäten. Auch von tiefen zwischenmenschlichen Verbindungen und dem Nachhause-Kommen; von Türen, die auf- und Türen, die zugehen; eben von »Wellen«, die kommen und gehen - die es zu parieren und umarmen gilt, auch wenn sie einen zu überwältigen drohen.

»Wellen« ist in seiner Gesamtheit nicht ohne die maximal extremen Monate in Ami Warnings Leben zu verstehen, in der ein Großteil der Album-Songs entstanden ist. Anfang 2025 ist sie erstmals schwanger geworden, noch im Sommer stand sie mit ihrem Vater - dem Sänger, Songschreiber und Multi-Instrumentalisten Wally Warning - auf Bühnen. Wenige Tage nach ihrer letzten gemeinsamen Show und gerade als Amis Bauch dicker und dicker wurde, erschütterte dann eine schwere Krebst-Diagnose das Leben ihres Vaters. Wally Warning starb am 19. September 2025 und verpasste seine Enkeltochter um knappe zwei Monate - »im echten Leben scheint es oft kein happy End zu geben«. Es ist wenig verwunderlich, dass gelöster Enthusiasmus und bedächtige Wehmut, »Bilderbuch-Wetter« und »Krankenhausbetten« auf »Wellen« nah beieinander liegen. Zwischen sinnlichen Gitarren-Chords und sanften Chören versprüht dieses Album eine Melancholie, die sich zwar stets federleicht und warm anfühlt, in ihrer Stoßrichtung aber durchaus variiert.

Ebenso nachvollziehbar erscheint der thematische Überbau der Platte - diese intensive Auseinandersetzung mit aufblühendem und verwelkendem Leben, mit seelischer Heimat, mit inneren Werten; auch mit dem Moment, in dem das eigene Kind - während man selbst noch den Geschmack vom Omas Apfelkuchen im Mund hat - plötzlich zu Laufen beginnt. »Wellen« spiegelt - in seinem Sound, in seinen Texten, selbst in seiner Entstehungsgeschichte - die von Lebensfreude, Spontanität, Angstbefreitheit, Reiselust, Großherzigkeit, Zuversicht und Improvisation geprägte Mentalität, die Amis Eltern auf Ami übertragen haben. Tatsächlich hat sie das erste Konzert ihres Vaters Wally - diesem aus Aruba stammenden Vollblutkünstler, der früh ihre Liebe für die Musik entfachte und sie alsbald im familieneigenen Tourbus mit auf Reisen nahm - noch im Bauch ihrer Mutter erlebt. Die Attitüde ihres Elternhauses gibt Ami nun an die nächste Generation weiter: Als sie den Song »Flugmodus« in einem Münchener Studio aufnahm, hatte sie - da noch im Wochenbett - ihre Tochter im Schlepptau. Sollte diese eines Tages Gefallen am Musikmachen finden, wird Ami ihr unter die Arme greifen; genauso wie es einst ihr Vater tat.

Ihre herzgesteuert-organische, durch und durch anti-mathematische Art, Musik zu machen und melodische Arrangements mit Pop-, Reggae-, Indie- sowie Latin-Flavour zu erspielen, hat Ami in all den Jahren nicht abgelegt. Wie immer hat sie fast alle Songs auf »Wellen« zuhause an der Gitarre selbst komponiert. Das Album erscheint in kompletter Eigenregie - und zehrt dennoch von Amis kreativem Netzwerk, das sich in den letzten Jahren spürbar vergrößert hat. In den »Wellen«-Prozess hat sie die Produzent*innen Bruckner, Novaa, Markus Sebastian Harbauer, Simon Frontzek und Rudi Maier involviert; außerdem enthält die Platte - und zwar an zwei durchaus zentralen Stellen in der Tracklist - Features mit jolle und Carlo5. Die beiden wohl tiefsten, bedeutsamsten, auch finalen Songs der LP bestreitet Ami allerdings alleine. Im matten, zuweilen erschütternden Titeltrack »Wellen« beschreibt sie Momente des Abschieds von ihrem Vater; dann, im umarmenden letzten Stück »Heim kommen« schließt sich der letzte Kreis - spätestens mit der letzten Zeile: »Alles gut, auch, wenn wir uns verändert ham’«.

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© T. Schreiber

Knust

Früher ein kleiner Kellerclub in der Altstadt, vergrößerte sich das Knust mit seinem Umzug in eine alte Rinderschlachthalle im Jahr 2003 um ein Vielfaches.

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