Am 9. Oktober 2020 wurde das Manifest der European Alliance of Academies (EAoA) veröffentlicht. Seit Herbst 2021 ist die Freie Akademie dort Mitglied. Zum 5. Jahrestag kommt am 9. Oktober 2026 die Initiatorin dieser Allianz, die Filmemacherin und ehemalige Präsidentin der Berliner Akademie der Künste, Jeanine Meerapfel, zu uns in die Akademie.
Bereits im Jahre 2020 wurde die Leitung der Universität für Theater und Filmkunst Budapest von der Fidez-Regierung abgesetzt und durch regierungstreue Personen ersetzt. Die Folge waren heftige Proteste von Professoren und Studenten und eine mehrmonatige Besetzung. Immerhin konnten am Ende ungefähr 150 Studenten an anderen europäischen Hochschulen ihre Studien fortsetzen und Abschlüsse machen.
Dieser Angriff auf die Freiheit der Kunst war der Auslöser für die Gründung der EAoA. Für Jeanine Meerapfel, Tochter jüdischer Emigranten aus Deutschland, war auch aufgrund ihrer Herkunft die Bedeutung dieses Angriffs auf die Freiheit der Kunst und die Notwendigkeit klar, sich gegen diese Übergriffe zu wehren. Schnell und überzeugend hat sie viele Mitstreiter gefunden. Mittlerweile sind es mehr als 70 Akademien oder ähnliche Institutionen in ganz Europa, die sich zum Ziel gesetzt haben, gegenseitige Unterstützung zu gewährleisten und für die Sicherung freier künstlerischer Arbeit ohne staatliche Eingriffe zu sorgen.
Das Gespräch zwischen Jeanine Meerapfel und Christoph Twickel ist eine Fortsetzung unserer Gespräche über die Freiheit der Kunst. Bereits im Juni hat die Autorin Petra Thorbrietz – ebenfalls im Gespräch mit Christoph Twickel – den jahrelangen systematischen Umbau der ungarischen Demokratie geschildert, bis hin zur Lähmung von Kultur und Gesellschaft.
Über Jeanine Meerapfel gibt es bereits um 18 Uhr den Portraitfilm „Adiós AdK – die Präsidentin geht“ von Christa Donner (anläßlich des Abschieds von ihren Ämtern). Laufzeit ca. 50 Min.