In Kooperation mit der der Schleswig-Holsteinischen Universitäts-Gesellschaft (SHUG).
In dem Vortrag wird ein Bogen vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart geschlagen, um zu zeigen, wie sich die Debatten um den Freiheitsbegriff in Iran entwickelten. In der persischsprachigen Presse des 19. Jahrhunderts wurde der Freiheitsbegriff intensiv diskutiert. Dabei kam es zu Neudeutungen und zu Forderungen nach Freiheitsrechten, die schließlich in die Verfassungsrevolution von 1906–11 mündeten. Nach der Revolution von 1979 bot sich in Iran erneut die Gelegenheit, über diese Rechte zu diskutieren, die inzwischen in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und den folgenden UN-Konventionen niedergelegt worden waren. Individuelle Freiheitsrechte werden mit dem Verweis auf die Herrschaft Gottes nur eingeschränkt zugestanden. Religionsfreiheit wird durch das islamische Recht begrenzt, nachdem nur bestimmte Religionen anerkannt werden und die Konversion von Muslim*innen grundsätzlich ausgeschlossen ist. Mit ihren Protesten unter dem Motto „Frau - Leben - Freiheit“ machten Frauen – und Männer – seit September 2022 deutlich, dass sie nicht mehr gewillt sind, die Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit hinzunehmen. Ob der soziale Widerstand, der sich wegen seiner brutalen Unterdrückung weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, das Regime der Islamischen Republik tatsächlich schwächen kann, ist zur Zeit schwer zu sagen.
Der Vortrag findet in Raum 347 statt.