Räume, Formen, Erinnerungen, alles ist in Bewegung, verschiebt sich, fließt ineinander. Neues formt sich. Scheinbare Stabilität, die im nächsten Moment wieder in Ungewissheit aufgeht und mehr Fragen aufwirft als Klarheit schafft. Die Grenzen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschwimmen.
Durch seine ungeheuer differenzierte und detailreiche Zeichnungstechnik zwingt der spanische Künstler José Carlos Izquierdo den Betrachter, sich durch Räume ohne Horizont und Schwerkraft zu navigieren. Seine neue Serie „Machinaclast“ mit ihrer nahezu unbezwingbaren Detailfülle führt in Labyrinthe, in ein Niemandsland zwischen Realität und Fiktion, in dem Orientierung neu verhandelt wird.
Izquierdos Arbeitsweise ist spontan und strukturiert zugleich, flexibel wie auch systematisch gestaltend und bewegt sich zwischen Ungegenständlichkeit und Figuration. Benennbare Versatzstücke scheinen Halt zu versprechen, gehen aber rasch in einem Wust undefinierter, wuchernder, zugleich aber poetisch-zarter Formen und Linienstrukturen unter. In diesem Spannungsfeld stellt sich die Frage nach der Fragilität von Ordnung und Struktur. In einer Welt, in der sich Gewissheiten immer schneller verschieben oder zerfallen, wird Stabilität zu einer prekären Erscheinung.
Auch Lars Eckerts Malerei bewegt sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Ein großer Fundus gesammelter und eigener Fotografien dient ihm als Ausgangsmaterial, um daraus digital neue Konstellationen zu inszenieren und diese in einem Folgeschritt malerisch umzusetzen. Transparente Tuscheschichtungen verfestigen sich durch zusätzliche Kreidezeichnung. Dennoch bleibt seine Malerei mit ihrer leichten Unschärfe und zurückgenommenen Farbigkeit merkwürdig unbestimmt und rekurriert so formal auf den Inhalt.
Eckerts neue Arbeiten handeln vielfach vom Sammeln und Forschen. Aber ein echter Erkenntnisgewinn scheint sich nicht einzustellen. Die Szenarien bleiben atmosphärisch zwiespältig, fremd und uneindeutig. So entstehen Möglichkeitsräume, die den Betrachter anregen, seine eigene Geschichte weiterzuspinnen, Erinnerungen und Phantasie einfließen zu lassen und letztlich doch zu eigenen - volatilen - Erkenntnissen zu gelangen.