Starke europäische Stimmen treffen im ersten Set der NDR Jazz-Konzerte mit dem Lisa Stick Quartett auf das transatlantische Projekt ¡Ya voy! im zweiten. Ein musikalisches Fest der Freiheit im Rolf-Liebermann-Studio.
Anfang 2024 kamen die vier erstmals zusammen: die Hamburger Posaunistin Lisa Stick, der in Barcelona geborene, im dänischen Aarhus lebende Saxofonist Cesar Joaniquet, der schwedische Bassist Anders Jormin und der in Berlin wirkende Schlagzeuger Heinrich Köbberling. »Ich liebe ihre Sounds«, sagt Lisa Stick, »wie sie im ursprünglichen Sinne des Wortes mit der Musik spielen und dabei so offen sind, ihre Umgebung wahrnehmen, aufeinander reagieren und sich und mich unterstützen.«
Was als einmaliges Treffen geplant war, entwickelte sich zu einem bestens eingespielten Quartett, das mittlerweile das erste Album aufgenommen hat. Lisa Sticks Kompositionen haben ein weites Spektrum an Melodien und Farben und geben ihren Partnern viel Freiheit. Der Verzicht auf ein Harmonieinstrument öffnet die Räume für einen Austausch von vier starken Stimmen, die eine bemerkenswert plastische Musik erschaffen. In der Komposition »Book Store«, verrät Lisa Stick, stecken wie in einem Buchladen unterschiedliche Geschichten und Charaktere, in »Light Cab« entwickelt das Quartett eine kollektive Improvisation wie eine Rauschefahrt.
Bei ¡Ya voy! begegnen sich auf begeisternde Weise das musikalische Erbe Kolumbiens und der zeitgenössische europäische Jazz. Alejandra Charry und Juan »El Chongo« wuchsen auf der kolumbianischen Karibikseite auf, umgeben von überlieferten Rhythmen und rituellem Gesang. Alejandra zog 2004 nach Frankreich, Juan lebt in Cartagena und führt dort das traditionelle Spiel von Marimba und Perkussion fort.
Sie treffen in diesem transatlantischen Projekt auf zwei Persönlichkeiten der improvisierenden Szene. Die nigerianisch-französische Saxofonistin Sakina Abdou berührt mit ihrem beseelten Spiel, in der auch die Expressivität eines Pharoah Sanders weiterlebt. Bassist Thibault Cellier ist das virtuose Fundament im Kollektiv Papanosh und im Trio von Joachim Kühn. »Auf kolumbianischer Seite finden sich schwungvolle Dreivierteltakte, Lieder, die die Freiheit feiern«, sagt Cellier, »auf der Seite des Jazz stehen Engagement und das Feiern des Augenblicks.« ’¡Ya voy!’ verbinden zwei musikalische Welten und Improvisationskulturen zu einer gemeinsamen Utopie in einer äußerst lebendigen imaginären Folklore.
BESETZUNG
Lisa Stick Quartett jazz ensemble
Lisa Stick trombone
Cesar Joaniquet saxophone
Anders Jormin double bass
Heinrich Köbberling drums
¡Ya voy! jazz ensemble
Alejandra Charry percussion, vocals
Sakina Abdou saxophone
Thibault Cellier double bass
Juan »El Chongo« percussion