15. Oktober - 14. November 2026
Eröffnung: Do, 15. Oktober, 18 Uhr
Miriam Zadils neue Serie von Stickarbeiten und Keramiken nimmt Zitate und Gedichtfragmente bekannter und weniger bekannter Schriftstellerinnen auf. Wie in ihren früheren Zyklen geht dem Bildentwurf eine längere Auseinandersetzung mit dem Text und der Biographie der jeweiligen Autorin voraus. Ihre Bilder sind keine Illustration des Ursprungstextes. Vielmehr ähneln sie kleinen Inszenierungen mit eigensinnigen poetischen Aufladungen – assoziativ, offen, persönlich, versöhnlich und durchzogen von einer Portion Humor.
In auskunft etwa bezieht sich Zadil auf das gleichnamige Gedicht der verstorbenen ghanaisch-deutschen Dichterin, Pädagogin und Aktivistin der afrodeutschen Bewegung May Ayim. Das Gedicht kreist um das Gefühl des Gespaltenseins, des Sitzens zwischen den Stühlen – ein Gefühl, das bei Ayim aus ihrer komplexen Biographie und den daraus folgenden Diskriminierungserfahrungen gewachsen ist.
In Zadils bildnerischer Übertragung begegnet man zahlreichen Wesen, die – zum eigenen Schutz – versuchen, sich ihrer Umgebung anzupassen. Sinnbilder für Vielfalt und friedliches Nebeneinander sind auszumachen, Dualitäten changieren zwischen Gegensätzlichkeit und Verbundenheit. – Aber mit Worten ist nicht allem beizukommen.
Trotz der Ernsthaftigkeit der Themen bleibt Zadils Ton humorvoll und empathisch zugleich. Ihre skurrilen Bildwelten speisen sich aus den unterschiedlichsten Quellen, aus symbolhaften Elementen fremder Kulturen sowie aus Comic- oder Computerspielfiguren, die Zadil zwanglos und phantasievoll kombiniert und so zu Formgebungen findet, die sich naheliegenden Deutungen entziehen.