»Ich war ein Junge vom Strand. Meine Lieder habe ich von den Vögeln des brasilianischen Waldes gelernt.« Antônio Carlos Jobim (1927–1994), in Brasilien liebevoll »Tom« genannt, war neben dem Poeten Vinícius de Moraes und dem Gitarristen und Sänger João Gilberto einer der Pioniere der Bossa Nova. Der luftig federnde Musikstil wurde Anfang der 1960er Jahre in kurzer Zeit zu einem weltweiten Phänomen und derart populär, dass Eissorten, Schuhe und sogar Waschmaschinen danach benannt wurden. Jobim genoss den Erfolg, die Kommerzialisierung der Bossa Nova lehnte er lange Zeit ab. Ursprünglich wollte er Architekt werden, doch er entschied sich früh für die Musik und verband auf einzigartige Weise Samba mit französischem Impressionismus und einer Prise West Coast Jazz. Seine Songs wie »Desafinado«, »Corcovado«, »Wave« oder das berühmte »Girl from Ipanema« wurden nicht nur Hits – sie regten auch zu zahllosen Jazzversionen an. Ein früher Höhepunkt war 1963 die Zusammenarbeit Jobims mit dem nur wenige Tage jüngeren Stan Getz auf dem Album »Getz/Gilberto«. Seine Arbeit mit Frank Sinatra etablierte ihn 1967 endgültig in den USA, wo er als Komponist ebenso einprägsamer wie komplexer Musik mit George Gershwin verglichen wurde.
Für den NDR Jazzworkshop anlässlich seines 100. Geburtstag taucht dieses Konzert ein in die Biografie Jobims und in die Geschichte der Bossa Nova. Speziell für den Workshop gründet sich eine internationale Band um den Pianisten Florian Weber. Dazu lädt der NDR unter anderem Gäste aus Brasilien ein – wie den Bassisten Guto Wirtti und den Schlagezuger Kiko Freitas, die seit vielen Jahren die Rhythmusgruppe des legendären João Bosco bilden. Sie verneigen sich vor Antônio Carlos Jobim und transportieren seine Klassiker ins Heute.
BESETZUNG
Florian Weber Klavier
Guto Wirtti Kontrabass
Kiko Freitas Schlagzeug
und andere