Unter dem Titel „Was uns bewegt“ veranstaltet das Hospiz am IK nach dem Zuspruch zur ersten Benefizlesungsreihe mit bekannten Schauspieler*innen eine weitere Lesungsreihe. Im Gespräch werden die/der jeweilige eingeladene Referent*in und Geschäftsführerin Bettina Orlando Einblicke in verschiedenste Themen geben: „Immer wieder kommen wir in unserer Arbeit, aber auch in unserem eigenen Umfeld und Leben mit Themen in Berührung, die wir nicht gut einordnen können, die bewegen und gesehen werden wollen. Diese Themen wollen wir ansprechen, sichtbar machen und im Austausch näher betrachten.“
Den Auftakt macht der Coach, Autor und Podcaster Sven Rohde.
Er widmet sich in seiner Arbeit den tiefen emotionalen Prägungen, die unser Leben über Generationen hinweg begleiten. Seit Jahren erforscht er die transgenerationalen Übertragungen von Gefühlen und begleitet damit Menschen auf besonders einfühlsame Weise auf ihrem Lebensweg.
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
Eine Anmeldung erleichtert die Planung: veranstaltungen@hospiz-am-ik.de
Geboren 1961 in Hamburg, studierte Sven Rohde Germanistik und Geschichte, absolvierte die renommierte Henri-Nannen-Schule für Journalismus und arbeitete als Journalist für Magazine wie Stern, Zeit, GEO und Psychologie Heute. Seit 2016 ist er als Coach und Workshopleiter tätig. Sein Buch „Gefühlserben. Die geheime Macht und Kraft unserer Herkunft“ sowie der gleichnamige Podcast spiegeln seine intensive Auseinandersetzung mit den emotionalen Prägungen und weitergegebenen Traumata wider, die uns alle – bewusst oder unbewusst – prägen.
„Ich bin Sohn einer Familie, in der der Tod meines Onkels, Zwillingsbruder meines Vaters, nie ein Thema war. Die Auswirkungen dieser abgewehrten Trauer, in der ein Sohn, Bruder und Onkel aus der Familie gleichsam verschwand, hat mein Leben mehr geprägt, als mir lange bewusst war“, beschreibt der Autor.
Die Veranstaltung beginnt mit einer Lesung aus seinem Buch, um zu verdeutlichen, was Gefühlserbschaften sind, wie sie von Generation zu Generation weitergegeben werden und wie sie unser Leben heute noch bestimmen können. Dabei geht es um die subtilen, oft verborgenen Auswirkungen emotionaler Prägungen: alte Ängste, Schuldgefühle, abgewehrte Trauer oder familiäre
Dynamiken, die unbewusst das Verhalten und Erleben beeinflussen.
Im zweiten Teil der Lesung richtet er den Blick auf abgewehrte Trauer als belastendes Gefühlserbe – ein Thema, das besonders für Menschen am Lebensende sowie für diejenigen, die sie begleiten, von großer Bedeutung ist.
„Das gilt genauso für die Menschen an ihrem Lebensende wie für diejenigen, die sie begleiten oder sich von ihnen verabschieden müssen. Es kann schmerzhaft sein, weil die einst abgewehrte Trauer hochkommt. Vor allem aber entlastet es und kann Erleichterung und Frieden bringen.“
Für das Hospizteam und alle Sterbebegleiter*innen, aber auch jeden, den die Thematik interessiert oder sich angesprochen fühlt, bietet diese Lesung wertvolle Impulse. Die Erfahrung zeigt, dass die Öffnung für solche emotionalen Themen nicht nur den Sterbenden zugutekommt, sondern auch den Begleitenden. Sie schafft eine Atmosphäre, in der Resonanz und Mitgefühl entstehen können, ohne dass man sich selbst überfordert fühlt.
„In vielen Vorträgen und Workshops habe ich Sterbebegleiter*innen als unvoreingenommen und reflektiert erlebt, bereit, sich gerade auch schwierigen und schmerzhaften Themen zu öffnen. So entstehen bereichernde Gespräche von einer faszinierenden Tiefe. Das ist für mich immer wieder ein Geschenk“, sagt Sven Rohde.
„Für Zuhörende steckt hierin die Aufgabe, mit eigenen Themen ins Reine gekommen sein, damit Resonanz möglich wird. Es braucht ein vorsichtiges Herantasten.“
Die Lesung wird von einem offenen Gespräch begleitet, in dem Fragen gestellt und Erfahrungen ausgetauscht werden können. Ziel ist es, die eigene Sensibilität zu schärfen, sich auf die Begleitung am Lebensende vorzubereiten und die tiefen, oft verborgenen emotionalen Prägungen zu erkennen. Gerade am Lebensende, wenn die Mauer des Verdrängens Risse bekommt – etwa bei beginnender Demenz oder durch die Sehnsucht nach einem letzten Gespräch – können solche Erkenntnisse entlastend wirken. Sie helfen, Frieden zu finden, alte Konflikte zu verstehen und emotionale Lasten loszulassen.
Die Lesung bietet somit nicht nur einen Einblick in die Wissenschaft und Praxis der transgenerationalen Übertragungen, sondern zeigt auch ganz konkret auf, wie diese Erkenntnisse in der täglichen Arbeit mit Sterbenden und ihren Angehörigen umgesetzt werden können. Durch die Verbindung von theoretischem Wissen, persönlicher Erfahrung und praktischen Beispielen wird ein tiefes Verständnis dafür vermittelt, wie wir durch achtsame Begleitung und Reflexion das Lebensende für alle Beteiligten erleichtern können.
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, diesen besonderen Abend mitzuerleben.