In meditativer Wiederholung schlägt der Künstler hunderte Nägel, spannt Fäden entlang festgelegter Raster oder intuitiv entwickelter Bahnen. Die daraus entstehenden Bildwelten erinnern an topografische Karten oder frühe Datenvisualisierungen und sind Spuren der Versuche, komplexe Zusammenhänge sichtbar zu machen. So verbindet sich im Werk eine beinahe wissenschaftliche Präzision mit dem Pathos handwerklicher Hingabe. Der Faden, jener historisch oftmals weiblich konnotierte Werkstoff, wird nicht nur zum Material, sondern zum Denkraum: Er beschreibt Verbindungen.
Diese Entwicklung kulminiert in Renners jüngster Werkserie „Spectra“, die erstmals in der Fülle in dieser Ausstellung zu sehen ist. Spectra – von lat. spectrum – widmet sich Licht, Farbe und der sichtbaren Welt. Der Wunsch, die bis dahin überwiegend monochrome Bildsprache zu erweitern, führte zu einer bewussten Öffnung des Farbraums. Licht wird dabei zur präzisesten Sprache von Realität: So wie Licht jede sichtbare Farbe in sich trägt, vereinen diese Werke das gesamte Spektrum und ordnen es in Strukturen, die sowohl Ruhe als auch Bewegung, sowohl Klarheit als auch Unvorhersehbarkeit enthalten. „Spectra“ markiert damit den Schritt in ein neues Kapitel – farbiger, mutiger und offener für das, was kommt.