Vortrag und Diskussion mit Dr. Carlo Gentile (Martin-Buber-Institut für Judaistik, Universität zu Köln)
Die deutsche Besatzung Italiens (1943–1945) forderte bis zu 70.000 Tote, darunter über 10.000 Zivilisten, die bei Massakern und „Vergeltungsaktionen“ deutscher Truppen ermordet wurden. Während diese Verbrechen in Italien bis heute präsent sind, wurden sie in Deutschland lange kaum thematisiert.
Der Historiker Dr. Carlo Gentile dokumentiert im Projekt „NS-Täter in Italien 1943–1945“ die Verbrechen, Tatorte und Verantwortlichen quellenbasiert und öffentlich zugänglich – u. a. auf einer mehrsprachigen Webseite mit Täterbiografien, Einheitenprofilen und historischen Einordnungen.
Sein Vortrag untersucht die Verantwortlichkeiten: Wer waren die Täter? Wie handelten sie in militärischen und politischen Strukturen? Warum blieb die Aufarbeitung nach 1945 oft unzureichend? Täterforschung zeigt, wie Institutionen, Befehle und Ideologien die Verbrechen ermöglichten – und ist damit zentral für eine verantwortliche Erinnerungskultur. Zudem wird die Rolle digitaler Projekte für die deutsch-italienische Aufarbeitung diskutiert.