Vortrag und Diskussion mit Michael Hartmann
Die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich in den letzen Jahrzehnten in Deutschland enorm vergrößert. Bei den Nettoeinkommen ist der Unterschied zwischen dem oberen und dem unteren Fünftel seit 1999 um über 40 Prozent gewachsen. Bei der Vermögensungleichheit liegt Deutschland weltweit in der Spitzengruppe. Das oberste Prozent der Bevölkerung besitzt über ein Drittel des Gesamtvermögens.
Für diese Entwicklung waren politische Entscheidungen ganz zentral. Die Steuern auf hohe Einkommen wurden seit der Jahrtausendwende ebenso deutlich gesenkt wie die auf Unternehmensgewinne. Das begünstigte die Wohlhabenden und Reichen ebenso wie die Neufassung der Erbschaftsteuer 2009 und dann noch einmal 2016. Seither können große Betriebsvermögen fast steuerfrei vererbt oder verschenkt werden. Die Eliten haben diese Entscheidungen auch aufgrund ihrer eigenen überwiegend bürgerlichen Herkunft so getroffen.
In Hamburg ist der Reichtum so konzentriert wie in keiner anderen Region Deutschlands. Jeder zehnte deutsche Milliardär wohnt dort. Zugleich gibt es in Hamburg eine besonders enge Verbindung zwischen den Eliten aus Politik, Wirtschaft und Medien. Das hat sich nicht nur bei der Cum-Ex-Affäre gezeigt, sondern auch im Falle der HSH-Nordbank oder bei den Konkursen großer Reedereien.
Der Referent, Michael Hartmann ist Elitenforscher und hat zahlreiche Bücher zur zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich veröffentlicht. Er war bis 2014 Professor für Soziologie mit den Schwerpunkten Organisationssoziologie an der Technischen Universität Darmstadt.
Eine Kooperation der Rosa-Luxemburg Stiftung Hamburg und der Umverteilungsinitiative Wer Hat Der Gibt
Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg