Ein musikalisches Manifest über Widerstand und Selbstbehauptung: »Gay Guerrilla« des Schwarzen, queeren Komponisten Julius Eastman. Musik als Haltung: radikal und kompromisslos. Lange überhört, ist das Werk heute von neuer Dringlichkeit. Mit dem Cellisten Seth Parker Woods bringt das Ensemble Resonanz dieses Werk sowie weitere Stimmen zu Erinnerung, Verlust und Zusammenhalt auf die Bühne. »…because without blood there is no cause.«
Eastman (1940–1990) war Komponist, Performer und eine radikale Ausnahmefigur im New York der 1970er und 80er Jahre. Als Schwarzer und queerer Künstler verband er Minimal Music mit politischer Schärfe. Seine Werke tragen Titel wie »Evil Nigger«, »Crazy Nigger« oder »Gay Guerrilla« – Begriffe, die er bewusst als Konfrontation setzt. Für Eastman bezeichnete »Guerrilla« jemanden, der bereit ist, für eine Überzeugung alles einzusetzen. In Verbindung mit »gay« wird daraus eine Haltung: Sichtbarkeit als Widerstand und Selbstbehauptung zugleich.
Seine Musik arbeitet mit Wiederholung und Verdichtung. Sie entwickelt sich in langen Bögen, hält Zustände fest und entzieht sich jeder Auflösung – insistierend, körperlich, ohne Ausweg. In der Interpretation von Seth Parker Woods gewinnt »Gay Guerrilla« eine unmittelbare Präsenz: ein musikalischer Prozess, der sich Schicht für Schicht aufbaut, Raum beansprucht und nicht mehr zurückweicht.
Um dieses Zentrum entsteht ein Spannungsfeld unterschiedlicher Perspektiven auf Erinnerung, Identität und Verlust: Chinary Ungs »Khse Buon«, nahezu zeitgleich entstanden, reagiert auf Krieg und kulturelle Zerstörung in Kambodscha. Jessie Montgomerys »Divided« stellt Fragen nach Zusammenhalt in einer zerrissenen Gegenwart. Werke von Pēteris Vasks und Edward Elgar eröffnen Momente des Innehaltens und der stillen Verdichtung.
So entsteht ein Konzert, das historische Erfahrungen mit der Gegenwart verbindet – zwischen Trauer, Widerstand und der Frage nach Gemeinschaft.
BESETZUNG
Ensemble Resonanz Kammerorchester
Seth Parker Woods Violoncello und Leitung
PROGRAMM
Pauline Oliveros
Out of the Dark
Chinary Ung
Khse Buon
Pēteris Vasks
Trīs skatieni (Drei Blicke)
Jessie Montgomery
Divided für Violoncello und Streichorchester
Edward Elgar
Elegy op. 58
Julius Eastman
Gay Guerrilla