Hamburg verfügt über cirka 60 Friedhofskapellen aus unterschiedlichen Zeitepochen. Eine Ausstellung, kuratiert von acollage, präsentiert dazu Fotografien von Nic Fey und thematisiert die sich verändernde Bestattungskultur. Vorträge von Holmer Stahncke, Norbert Fischer und dem Atelier Le Balto.
Das Architekturbüro acollage. architektur urbanistik konzipiert gemeinsam mit dem Fotografen Nic Fey die Fotoausstellung „Momentaufnahme – Die Hamburger Friedhofskapellen 2026“ im Rahmen des Hamburger Architektur Sommers. Die Ausstellung widmet sich einem bislang wenig beachteten, zugleich kulturhistorisch und architektonisch bedeutenden Teil der Hamburger Architektur: den Friedhofskapellen der Stadt.
Hamburg verfügt über rund 60 dieser Gebäude. Sie liegen oft versteckt, im Hintergrund vom Landschaftsraum gefasst, in großen Friedhofsanlagen oder am Rand urbaner Räume. Als Orte der Trauer, der Erinnerung und des Rituals stellen sie einen architektonischen Gebäudetypus in Hamburg dar, der über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg eine gesellschaftliche Vorstellung von Tod, Bestattung und Gedenken widerspiegelt.
Die fotografische Serie dokumentiert diese Vielfalt anhand ausgewählter Beispiele: von klassizistischen Kapellen um 1800 über neugotische und neoromanische Bauten des 19. Jahrhunderts bis zu sachlichen Nachkriegsarchitekturen und zeitgenössischen Kapellen. In einer einheitlichen, überwiegend frontal-perspektivischen Bildsprache entsteht eine vergleichende Typologie der Hamburger Abschiedsräume. Ergänzt werden die Fotografien durch Grundrisse und weitere Darstellungen, die die architektonischen Charakteristika der Gebäude sichtbar machen. Die Ausstellung richtet den Blick auch auf die aktuellen Veränderungen der Friedhofslandschaft. Durch steigende Kosten für Erdgräber, die zunehmende Verbreitung von Aschebeisetzungen sowie den demografischen Wandel sinkt vielerorts die Nutzung traditioneller Friedhofsflächen. Diese Entwicklung verändert auch die Rolle der Kapellen: Einige verlieren an Bedeutung, andere werden umgenutzt oder in neue Konzepte integriert. Die Ausstellung versteht sich daher nicht nur als fotografische Dokumentation, sondern auch als eine Reflexion über Architektur, Erinnerungskultur und gesellschaftlichen Wandel.
Zu sehen ist die Ausstellung vom 28. Mai (Vernissage) bis 17. Juni 2026 in der Kapelle auf dem Friedhof Diebsteich. Der 1927 nach Plänen des Architekten Karl Zöllner errichtete Backsteinbau am Haupteingang des Friedhofs nahe dem heutigen S-Bahnhof Diebsteich ist Teil der denkmalgeschützten Gesamtanlage. Stilistisch steht die Kapelle dem Backstein-Expressionismus mit neuägyptischen Einflüssen nahe und wird bis heute für konfessionsübergreifende Trauerfeiern genutzt. Als historischer Ort des Abschieds tritt sie in einen direkten Dialog mit den Themen der Ausstellung.