In projections versteht Rafael Moreno die Stadt als „mega body“ – ein ständig funktionierendes System, das Nähe verspricht und sich doch distanziert. Städtischer Raum erscheint als ein von Begierde, Wiederholungen und Exzess getriebener Computer, in dem Wolkenkratzer mit ihrer reflektierenden Architektur Orte zwischen Sichtbarkeit und Ausgrenzung schaffen. Im Zentrum dieses Systems stehen weibliche Figuren, die in Anlehnung an Ingmar Bergmans Persona (1966) einander auf beunruhigende Weise spiegeln und durchdringen. Gefundene und collagierte Objekte verweisen auf mythisch aufgeladene Erzählungen des urbanen Lebens. Sie fungieren als Träger und Filter: Handtaschen, Computergehäuse und Bilder von Skylines absorbieren Informationen, verzerren sie und bauen Druck auf. Zwischen harten Oberflächen und weichen Unterbrechungen offenbart die Stadt ihre Libido – nicht als Spektakel, sondern als anhaltende Spannung zwischen Entblößung und Rückzug.
Diese Ausstellung findet im Rahmen des neuen Project Space-in-Residence Programms im Kunstverein statt. Im Jahr 2026 ist der Hamburger Projektraum chess club, initiiert von Amanda Weimer zu Gast. Die Ausstellung projections bildet den Auftakt dieser Residency.