In „Reise durch die Nacht“, 1984 im Suhrkamp Verlag erschienen, beschreibt Friederike Mayröcker den Blick aus dem Fenster eines Nachtzugs, der von Paris nach Wien rast. Was ist da draußen? Die Landschaft, die Geräusche, die Dunkelheit und immer wieder die Erinnerungen, die dort plötzlich aufblitzen, die Nacht erhellen, verschwinden. Dabei löst sich die Grenze zwischen Drinnen und Draußen schnell auf. Das Schlafabteil wird zu einem unsicheren, orientierungslosen Ort, der von den immer wiederkehrenden Erinnerungen besetzt wird, bis sich selbst das Subjekt, das die Wahrnehmungen beschreibt, aufzulösen beginnt. Während unserer Fleetstreet-Residenz untersuchen wir, inwiefern man diese Weltmitschrift Mayröckers in den theatralen Raum übersetzen kann. Hierfür haben wir ihren Text neu sortiert, indem wir Motive, die sie immer wiederkehren lässt, beispielsweise die Vogelstimmen, die Blitze oder die Farbe Rot, gesammelt haben. Um Mayröckers Schreibmethode nahe zu kommen, lassen wir diese Motivschienen dann mit Mitteln des Hörspiels einander kreuzen, einander anstoßen, parallel laufen, sodass ein Schienennetz entsteht, das, sobald einmal aktiviert, von alleine weiterläuft. Dabei werden die Motivschienen auch immer wieder aus dem Text hinaus führen, vor allem zu musikalischen Referenzen wie Wolfgang Rihm, Steve Reich und Felix Mendelssohn. “draußen hat es geblitzt – – was ist draußen?” MAYRÖCKER Eintritt ist frei / Anmeldung über reisedurchdienacht@gmx.de
Reise durch die Nacht Oper & Operette
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