Hier gibt es Jazz, moderne Klassik und Mittelmeer-Folklore mit Tania Giannouli und Nils Petter Molvær – und ein Prisma aus Westasien, Nordafrika, Jazz und zeitgenössischer Musik mit Golnar Shahyar und der NDR Bigband.
Bei ihrem ersten Treffen stellte Tania Giannouli fest: Das Zusammenspiel fühle sich so gut an, dass sie sofort zwei Alben mit ihrem Duo-Partner aufnehmen könne. Die griechische Pianistin war 2025 beim Festival Enjoy Jazz dem Trompeter Nils Petter Molvær begegnet. Der Norweger, Jahrgang 1960, hat wegweisende Alben aufgenommen. Die unerhörten Klänge seiner elektronisch verfremdeten Trompete begeistern seit den Neunzigern alle Generationen. Auch die 21 Jahre jüngere Giannouli ist mit Verfremdung vertraut und spielt mit Vorliebe präparierte Flügel. Das Jazz-Magazin DownBeat lobte ihre Mischung aus »Donner und Eleganz« und nahm sie 2025 in die Liste der Rising Stars auf.
Giannoulis Spiel verbindet Jazz, moderne Klassik und Folklore des Mittelmeer-Raums. Im Duo spielen die beiden frei improvisierte Sets – mal flüsterleise, mal wuchtig und gerne rhythmisch unerwartet krumm. Nur die Tonart eines Stückes ist vorab festgelegt. »Unsere Interaktion ist so organisch«, sagt Molvær, »es fühlt sich wie Schnee an, der von einem Blatt fällt. Es passiert, wenn es passiert, und nicht deshalb, weil jemand am Zweig rüttelt.«
»Ich habe die Rebellion aus dem Iran, die Freiheit und den Mut aus Kanada und den Widerstand und den Wunsch nach Selbstdarstellung aus Österreich.« Golnar Shahyar, 1985 im Iran geboren und in Toronto aufgewachsen, zog 2008 nach Wien, um klassischen Gesang zu studieren. In der Fremde entdeckte sie das Eigene – auch weil die neue Heimat in ihr gern die Fremde sieht.
»Wir haben diese Industrie, die heißt Weltmusik. Und der freie Platz darin ist in meinem Fall: ›Ah, diese arme Frau! Opfer von was auch immer!‹ Oder ich bin die exotische Heldin, die für ein ganzes Land sprechen soll. Es ist verrückt! Wo bleibt in dieser Industrie der Mensch?« – Golnar Shahyar
Shahyars Musik ist längst keiner Region mehr zuzuordnen: ein Prisma aus Westasien, Nordafrika, Jazz und zeitgenössischer Musik. Geprägt von Betty Carter bis Oumou Sangaré, von Hayedeh bis Umm Kulthum, von Maria Callas bis Joni Mitchell versteht sie Gesang als persönliches Instrument und erzählerisches Medium. Ihre bildhafte Poesie bewegt sich zwischen Tragödie und Traum.
BESETZUNG
Tania Giannouli piano
Nils Petter Molvaer trumpet, electronics
NDR Bigband jazz ensemble
Golnar Shahyar piano, vocals
Wolf Kerschek director