Nach seinen tiefgreifenden Interpretationen von Bachs Goldberg-Variationen und Chopins Préludes im vergangenen Jahr setzt der Pianist Xi Zhai seine Konzertreihe in der Elbphilharmonie fort und lädt er zu seinem vierten Gastspiel ein – ein Abend, der der Gattung Sonate in ihren eigenwilligsten und weitgespannten Ausprägungen gewidmet ist.
Den Auftakt bilden Joseph Haydns Variationen in f-Moll. Ursprünglich als Kopfsatz einer Sonate konzipiert, verdichtete sich das Werk im Entstehungsprozess zu einer Form, die den traditionellen Rahmen hinter sich lässt. Entstanden ist ein erschütterndes Einzelstück: keine Sonate mehr im engeren Sinne, und doch von einer inneren Geschlossenheit und emotionalen Tiefe, die weit über das Variationsprinzip hinausweist.
Mit Beethovens letzter Klaviersonate op. 111 öffnet sich ein Raum jenseits klassischer Formvorstellungen. Zwei Sätze stehen einander gegenüber, ohne nach Fortsetzung zu verlangen. Die berühmte Arietta führt in eine Sphäre meditativer Ruhe – Zeit scheint sich zu dehnen, Bewegung geht in Klang über.
Franz Liszts h-Moll-Sonate schließlich bewahrt den Namen der Gattung und führt ihn zugleich an seine Grenze. In einem einzigen, ununterbrochenen Bogen verbinden sich Kraft, Dramatik und Poesie zu einer musikalischen Erzählung von großer Dichte.
BESETZUNG
Xi Zhai Klavier
PROGRAMM
Joseph Haydn
Variationen f-Moll Hob. XVII:6
Ludwig van Beethoven
Sonate für Klavier c-Moll op. 111
- Pause -
Franz Liszt
Sonate h-Moll S 178