Mitt der Fotoserie „Auf der Suche nach der verlorenen Erinnerung“ setzt sich die Hamburger Künstlerin Katrin Jakobsen mit einem familiären Schweigen auseinander, das exemplarisch für eine ganze Generation steht. Als Nachkriegskind, Jahrgang 1958, wächst sie mit einem Vater auf, der über seine Jugend im nationalsozialistischen Deutschland und seine Kriegserfahrungen eisern schweigt. Fragen nach Schuld, Verantwortung und persönlicher Geschichte bleiben unbeantwortet.
Erst nach dem Tod des Vaters fällt ihr ein winziges Notizbuch in die Hände. Auf dem roten Ledereinband, immer wieder von Hand mit Bleistift geprägt, steht 1945. Es ist das Kriegstagebuch ihres Vaters.
Zunächst ist da die Angst vor dem, was sich darin finden könnte. Doch das nahezu unleserliche Tagebuch enthält keine Gräuel, keine Nazi-Parolen – sondern einfach nur die Gedanken eines Achtzehnjährigen in russischer Kriegsgefangenschaft, der wieder nach Hause will. Und es auch beim zweiten Fluchtversuch schafft.
Ausgehend von diesem Fund und nach monatelangen Recherchen, folgt die Künstlerin dem Heftchen ihres Vaters durch Tschechien, Rumänien, Ungarn und die Ukraine. Zu jedem zentralen Eintrag entsteht ein Foto, mit Datum, Ort und Zitaten aus dem Tagebuch. Und unter den Worten des Vaters – als Verbindung über die Zeit hinweg – ihre Antwort von heute.
Endlich der Dialog, den die Künstlerin ihr Leben lang vermisst hat.
Vernissage am 5. März um 19:00 Uhr mit der Künstlerin Katrin Jakobsen.
Freier Eintritt zur Sonderausstellung im Weinkeller während der regulären Öffnungszeiten des Mahnmals St. Nikolai.