Musik bleibt nicht an einem Ort. Sie wird weitergegeben, zirkuliert, von Stimme zu Stimme, von Mensch zu Mensch. Im Zentrum des Abends steht der senegalesische Kora-Virtuose und Sänger Momi Maiga, der westafrikanische Traditionmit Flamenco, Jazz und Klassik verbindet. Gemeinsam mit dem Ensemble Resonanz entsteht ein Konzert der Begegnung. Alle Beteiligten bringen ihre Musik mit: Prägungen, Geschichten, Klänge. Sie hören einander zu, greifen auf, antworten. Und plötzlich ist man im Gespräch.
James Tenney schrieb in den 1970er Jahren seine »Postal Pieces«, kurze Kompositionen, die er per Post an Freundinnen und Freunde verschickte. Dieser Gedanke trägt auch den Abend. Musik als persönlicher Gruß: Stücke aus verschiedenen Zeiten und Orten treten in Kontakt, werden aufgenommen und verwandelt. Sie richten sich an ein konkretes Gegenüber – ein Austausch zwischen zwei Menschen, die Postkarte mittendrin.
So stehen Lieder von Hawa Kassé Mady Diabaté, einer prägenden Stimme der malischen Musiktradition, neben barocken Werken von C.P.E. Bach, romantischen Miniaturen von Robert Schumann und den Klangarchitekturen von Iannis Xenakis. Musik von Laurie Anderson, Bryce Dessner und der puerto-ricanischen Komponistin Angélica Negrón, die zwischen Pop, Elektronik und Poesie arbeiten, öffnet den Blick in die Gegenwart. Momi Maiga bringt seine eigenen Songs mit Koraund Stimme in diesen Austausch ein. In der Griot-Tradition verwurzelt, führt er eine lebendige Praxis des Erzählens fort, in der Musik nicht bewahrt, sondern weitergetragen wird. Im Zusammenspiel mit dem Ensemble Resonanz entstehen daraus klingende Verbindungen: Vertrautes und Fremdes treten in einen lebendigen Dialog.
Auch das Publikum ist eingeladen, eigene Grußbotschaften zu gestalten. Sie finden ihren Weg in den Raum, werden gelesen, weitergegeben, klingen an – über Postkarten, Blicke, Bilder. Teil des Geschehens.
BESETZUNG
Ensemble Resonanz Kammerorchester
Momi Maiga Kora
Aleix Tobías Percussion
Anselm Dalferth Dramaturgie
PROGRAMM
Songs von Momi Maiga sowie Postkarten von James Tenney, Carl Philipp Emanuel Bach, Laurie Anderson, Robert Schumann, Bryce Dessner, Angélica Negrón und Hawa Kassé Mady Diabaté