»Süße Dame, ohne Euch kann ich nicht leben.« Die Worte stammen aus einer anderen Zeit – das Gefühl nicht: ein Crush.
Mit dem RIAS Kammerchor Berlin ist einer der führenden Chöre Europas zu Gast in der Elbphilharmonie und trifft auf das Ensemble Resonanz. Gemeinsam widmen sie sich einem Thema, das sich durch die Jahrhunderte zieht: Liebe, Verlangen und Ekstase. Vom ersten Begehren bis zum Kontrollverlust. Im Zentrum steht ein neues Werk von Judith Weir, das hier zur Uraufführung kommt.
Liebe ist kein Zustand. Sie ist ein Ereignis. Und uralt – ein Moment, der einen trifft und nicht mehr loslässt, eine Spannung, die bleibt. Der Abend folgt diesem Verlauf.
Am Anfang steht ein Einschlag, wie ihn schon Guillaume de Machaut im 14. Jahrhundert beschreibt: Sehnsucht, Verlangen, eine körperliche Intensität. In Jean Sibelius’ »Rakastava« (Der Liebende) ist die Nähe noch spürbar, aber nicht mehr greifbar, sie hat sich verschoben und klingt als Nachhall weiter. Bei Edvard Grieg beginnen die Gefühle zu zirkulieren, bei Veljo Tormis kippt das Intime ins Kollektive: Die Stimmen werden körperlich, rhythmisch, fast tranceartig. Und dann ein Kipppunkt: Judith Weir nimmt den Tristan-Mythos zum Ausgangspunkt, eine der großen Erzählungen von Liebe im Extrem. Ihr neues Werk durchleuchtet diese Geschichte von innen: Liebe entzieht sich hier jeder Ordnung, verschiebt Grenzen und setzt Kontrolle außer Kraft. Nichts bleibt mehr, wie es war.
Der RIAS Kammerchor Berlin entfaltet diese unterschiedlichen Erscheinungsformen von Liebe in Vielstimmigkeit, mit großer Präzision und Intensität. Gemeinsam mit dem Ensemble Resonanz entsteht ein Raum, in dem sich Nähe auflädt, Spannung hält und sich im Klang entlädt. Was als leise, persönliche Geste beginnt, setzt sich fort – und erfasst alles.
BESETZUNG
Ensemble Resonanz Kammerorchester
RIAS Kammerchor Berlin Chor
Justin Doyle Dirigent
PROGRAMM
Guillaume de Machaut
Douce dame jolie
Jean Sibelius
Rakastava (Der Liebende) für gemischten Chor
Jean Sibelius
Rakastava (Der Liebende)
Edvard Grieg
Zwei elegische Melodien op. 34
Veljo Tormis
Armastus
Veljo Tormis
Helletused
- Pause -
Judith Weir
Le roman de Tristan (Uraufführung)