Drei Perspektiven auf Landschaft: Die NDR Kunstsammlung „Weite und Licht“, Carole Kohlers abstrakte und AR-erweiterte Innenwelten und Rafael Cardenas’ Blick aus der Stratosphäre. Eine Ausstellung über Wandel, Wahrnehmung und die Bewegung zwischen Nähe und Ferne.
Shifting bedeutet Bewegung, Verschiebung, Übergang. Die Ausstellung Shifting Landscapes nimmt diesen Gedanken, diesen Impuls beim Wort: Landschaft erscheint hier nicht als festes Bild, sondern als etwas, das sich verändert – durch Zeit, Technik und unsere eigene Wahrnehmung. Drei sehr unterschiedliche Blickräume öffnen sich nebeneinander und zeigen, wie stark sich unser Verständnis von Landschaft verschiebt, Gewohntes zu Ungewohntem wird, sobald wir die Perspektive wechseln.
Der vertraute Horizont
Die Landschaftsbilder aus der NDR‑Sammlung stammen vorwiegend aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Werke von u.a. Fritz Overbeck, Horst Janssen, Klaus Fußmann und Günther Grass zeigen eine Welt, die noch im Gleichgewicht scheint: Küsten, Felder, Wälder, stille Weiten. Landschaft als kulturelle Konstante, als Ort der Orientierung. Diese Werke bilden den Ausgangspunkt – den Boden, von dem aus sich alles verschiebt.
Die innere Landschaft
Die abstrakten Arbeiten von Carole Kohler führen die Landschaft in einen anderen Raum: Farbe, Rhythmus und Bewegung lösen die äußere Welt auf und verwandeln sie in ein vibrierendes Gefüge. Ihre Bilder öffnen Landschaft als etwas, das wir nicht nur sehen, sondern empfinden.
Eine zusätzliche Ebene entfaltet die Künstlerin über AR‑Videos, die Besucherinnen und Besucher per QR‑Code abrufen können. Aus den Gemälden heraus erwachen plötzlich glühende Lava, eine Tänzerin oder Wellenbewegungen. Diese digitalen Erweiterungen sind keine Effekte, sondern Verstärkungen der inneren Dynamik ihrer Malerei – sie machen erfahrbar, dass Landschaft ein lebendiger Prozess ist, der sich ständig weiterbewegt.
Der Blick aus der Stratosphäre
Die kreisrunden Fotografien von Rafael Cardenas öffnen eine Perspektive, die lange unvorstellbar war. Aus 150 bis 250 Satellitenaufnahmen montiert er hochauflösende Landschaften, die wie Blicke aus 20 Kilometern Höhe wirken.
Was technisch beginnt, wird zu einem immersiven Erlebnis: Steht man dicht davor, füllt das Bild das gesamte Blickfeld – keine Ränder, keine Ecken, nur Landschaft. Cardenas zeigt die Erde als Oberfläche voller Spuren: Salzfelder, Straßenlinien, winzige Fahrzeuge in endloser Weite. Nicht als moralische Anklage, sondern als Einladung, die Welt neu zu betrachten.
Shifting Landscapes verbindet:
den bodennahen Blick der klassischen Malerei
den introspektiven Blick der abstrakten Bildwelten
den globalen Blick der satellitengestützten Fotografie
So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Nähe und Ferne, zwischen Erinnerung und Zukunft, zwischen äußerer und innerer Welt.