Mutter Einladende Kneipe

Wer die Mutter nicht kennt, hat Hamburg verpennt. Da sind sich alle einig – der Student und der Werber, der DJ und der Gitarrenrocker, der Bohemien und der Bankangestellte.

Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk. Es gibt Dinge, auf die muss man sich immer und unbedingt verlassen können. Die Mutter gehört ganz sicher dazu. Wie alt sie ist, weiß niemand so genau – und fragen wäre unhöflich. Aber klar ist: Hier haben sie alle getrunken: die Indies aus der Hamburger Schule, die Neoexistenzialisten aus Berlin, die es für eine Nacht hierher verschlagen hat, das Musikbranchenvolk oder die Kneipenbelegschaften anderer Läden, wenn sie nach einer langen Nacht endlich Feierabend hatten.

Der Zahn der Zeit, nein, er vermag der Mutter nichts anzuhaben. Dass die Welt sich weiterdreht, vergisst man nur allzu gern in den Rauchschwaden an der Bar oder an einem der kleinen Tische. Wer aufmerksam beobachtet, dem entgeht es möglicherweise trotzdem nicht, dass es neben Augustiner plötzlich auch Pale Ale gibt.

Aber das macht nichts. In der Mutter ist man viel zu cool, um aktuellen Trends hinterherzuhecheln. Wer will, der kann; wer nicht will, der bestellt halt das, was er immer bestellt. Hinter der Bar stehen Hendrick’s Gin & Co und ein wenig Rotwein; das anerkannte Hausgetränk aber ist und bleibt Flaschenbier, gerne groß.

Der eine kommt gern zu Beginn des Kneipenabends in die Mutter und guckt, was die Nacht noch so bringt – und bleibt dann meistens. Der andere legt nach dem Ausgehen gern noch eine Zwischenstation auf dem Weg nach Hause in der Stresemannstraße ein – auf einen Absacker, aus dem auch mehrere werden können.  Uneinigkeit herrscht traditionell hinsichtlich der Frage, welche der Toiletten denn eigentlich für die Dame und welche für den Herrn vorgesehen ist – auf dem Weg dorthin gibt es nur ein Schild mit der Aufschrift „Töchter & Söhne“. Aber im Grunde ist’s egal – Mutti hat halt alle gleich lieb.

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